Tanz

Bleibt schön schön, auch wenn es welkt?

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Ein Tatort aus Leipzig mit Frauen am Rande des Verfallsdatums

Gestern sah ich mir eine Tatort-Folge an, die aus unerklärlichen Gründen „Frühstück für immer“ betitelt war. Sieht man davon und den etwas hölzernen Dialogen einmal ab, war das Thema durchaus nachvollziehbar behandelt – zumindest für Frauen in einem gewissen Alter. Konkret ging es um einsame Single-Frauen über 40, die auf Ü40-Parties nach Sexualpartnern auf Jagd gehen, sich aber im Grunde ihres Herzens nach der großen Liebe sehnen. Die in der Disco anwesenden Männer nutzen die offensichtliche Torschlusspanik und die hysterische Verzweiflung dieser Frauen skrupellos aus, für schnellen Sex und nicht zuletzt für SM-Spielchen.

Besonders unangenehm fielen dabei zwei männliche Charaktere auf:

Ein widerlicher Flirtcoach schwadronierte davon, dass ihn nur das „Game“, der „Approach“ interessiere, nicht der „Close Fuck“. Aha!

Ein weiterer Fiesling war der graumelierte Schönheitschirurg, der nicht nur seine Ehefrau seit Jahren betrügt, sondern seinen Gespielinnen mit Peitschen und Seilen zu Leibe rückt. Er gerät natürlich prompt in Verdacht, bei einem aus dem Ruder gelaufenen Sexspielchen eine der Frauen stranguliert zu haben. Aber es war alles ganz anders …

Der Film hinterließ bei mir einen zwiespältigen Eindruck:

Gut, dass das Thema „reifere“ Frauen nun auch im Fernsehen zunehmend aus der Verschämtheits-Schublade geholt wird. Die Frauen in dem Film beklagen sich, dass sie ab einem gewissen Alter für Männer „unsichtbar“ werden. Das kann ich bestätigen. Aber ich sage diesen Ü40-Frauen: Es kommt noch schlimmer, wenn man erst mal die 50 überschritten hat. Hat übrigens schon mal jemand ein Plakat für eine Ü50-Party gesehen oder gar eine Ü60-Party? Vielleicht wäre das ja sogar eine Marktlücke.

Die Tochter des filmischen Mordopfers schien es auf den Punkt zu bringen: Wenn man über 50 ist, „dann ist man alt und welk, dann verfault man ganz langsam. … Dann modert man von innen heraus.“ So schlimm ist es nun auch wieder nicht, und ich sage euch jungen Hühnchen nicht ohne Schadenfreude: Gerade ihr habt sogar gute Chancen, euer Alter in Gesellschaft ganz vieler anderer Greise zu verbringen. Außerdem haben wir Frauen mit abgelaufenem Verfallsdatum euch ganz viel voraus an Erfahrung, Lockerheit, Experimentierfreudigkeit und und und

Noch etwas fand ich an dem Film beachtlich: Die Shades-of-Grey Thematik hat nun anscheinend endgültig Einzug in deutsche Wohnzimmer gehalten. SM ist zur besten Sendezeit salonfähig geworden. „50 Shades of Klischee“ titelte Spiegel-Online in Anlehnung an eine Twitter-Reaktion heute. Immerhin: eine Fußfessel in der Vagina des Opfers, das war mal was Neues.

Ich wünsche mir von (Drehbuch-) Autoren und Filmemachern in Zukunft mehr mutigen und differenzierten Umgang mit dem Thema Einsamkeit, Älter Werden und Sexualität.

Das Schlusswort des gestrigen Tatorts stammt übrigens von Maxim Gorki: „Was schön ist, bleibt schön, auch wenn es welkt. Und unsere Liebe bleibt Liebe, auch wenn wir sterben.“

Das stimmt hoffnungsvoll, und tanzen gehe ich auch weiterhin.

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Das Karussell wird sich weiterdreh’n

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Das Karussell wird sich weiterdreh’n

Kennt ihr das? Man hört im Radio oder im Vorrübergehen einen Song und man hat das Gefühl: Alles passt. Das mag ein Sommerhit sein, der noch Jahrzehnte später in uns ein bestimmtes Lebensgefühl auslösen kann. Bei mir ist das Mungo Jerrys „In the Summertime“ (von 1970), aber auch „Lambada“ (1989)oder „Mambo Nr. 5“ von Lou Bega. (1999)

Je älter ich werde, desto öfter ertappe ich mich bei Merkwürdigem. Ich höre beispielsweise Helene Fischer singen:

„Lasst uns versprechen, auf Biegen und Brechen, wir feiern die Schwächen! Wer ist schon fehlerfrei?“

Wozu mir früher nur „Reim dich oder ich fress dich“ eingefallen wäre, denke ich heute: stimmt eigentlich!
Seit einiger Zeit höre ich selbst bei deutschem Liedgut genauer hin, etwas, das ich früher nie freiwillig getan hätte. Nun gibt es ja gottseidank mittlerweile auch sehr gute deutsche Texte. Viel Spaß bereitet haben mir letztes Jahr die Ärzte mit „Männer & Frauen“. Sehr schön, wie sie da „Von Brusthaartoupet bis Botoxmaske“ und „frisch gestrichenen Damen auf der Tanzfläche“ singen. Ganz besonders gefällt mir die Passage:

„Sie liegen schon mittags in den Büschen, nachts kann man kaum noch durch den Stadtpark gehen. Romantische Schwärmer nennen es Liebe (ich würde sagen), hier kann man Hormone bei der Arbeit sehen.“

Auch die Songzeile von Ich + Ich „Du bist vom selben Stern, ich kann deinen Herzschlag hören“ scheint nur auf den ersten Blick sinnfrei. Jeder, der schon einmal verliebt beim engen Tanz dem Herzschlag seines Partners gelauscht hat, weiß: So macht alles Sinn.

Neulich habe ich zu „Applaus, Applaus“ von den Sportfreunden Stiller Rumba getanzt.

„Mein Herz geht auf, wenn du lachst. Applaus, Applaus für deine Art mich zu begeistern, hör niemals damit auf. Ich wünsch mir so sehr, du hörst niemals damit auf. Ist meine Erde eine Scheibe, machst du sie wieder rund.“
Ja, ganz genau, denke ich! Es gibt einen Menschen, der das bei mir geschafft hat.

Adel Tawil treibt die vermeintliche Sinnlosigkeit der Songtexte auf die Spitze. “Ich ging wie ein Ägypter, hab mit Tauben geweint“, beginnt sein Hit „Lieder“. Was für ein Unsinn, dachte ich, als ich das Lied zum ersten Mal hörte, bis ich merkte, dass der Interpret seinen Song ganz bewusst als musikalisches Puzzle angelegt hat. In den beiden ersten Zeilen ist beispielsweise „Walk like an Egyptian“ von den Bangles und „When Doves Cry“ von Prince versteckt. Jede weitere Zeile hat einen Bezug zu Songs, die Adel in seinem Leben wichtig waren, liest man. Eine schöne Idee, für die ich mich auch erwärmen könnte. Nur kann ich leider überhaupt nicht singen. So begnüge ich mich damit, neuerdings zu Pharell Williams‘ Hit „Happy“ durch die Küche zu tanzen. Den Refrain übersetzt man besser nicht ins Deutsche:

“Clap along if you feel like a room without a roof because I’m happy .”

Immer noch liebe ich die Metapher vom Karussell. Schon Andrea Berg wusste: „Das Karussell wird sich weiter dreh’n, auch wenn wir auseinander geh‘n.“ (Wie wahr!) Und seit einiger Zeit hört man Christina Stürmer singen:
„Es fährt im Kopf ein Karussell und alles dreht sich irgendwie zu schnell.“
Am schönsten drückt es jedoch Rihanna aus, finde ich: „Round and around and around and around we go“. Und einige Zeilen später:

“Something in the way you move makes me feel like I can’t live without you. It takes me all the way, I want you to stay … Stay …“

Das kann ich bedingungslos unterschreiben.

Mehr von Popsongs, Lust und Liebe in „Leo – Erotisches Tagebuch“.

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Der Drecksack

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Woman orange bag

Das Wort „Drecksack“ hat eine doppelte Bedeutung – zumindest für mich.

Der Kabarettist und Comedian Dieter Nuhr hat in einem seiner Programme die Handtasche seiner Freundin einmal als „Drecksack“ bezeichnet. Ich besitze auch mehrere solcher Drecksäcke. Dort vagabundiert neben Ausweispapieren, Geldbörse, und Handy meist auch Überflüssiges bis Vergessenes, manchmal Unsauberes: zerknüllte Papiertaschentücher, Krümel, auf Folienpapier entsorgte Kaugummis, vertrocknete Pfefferminz-Pastillen, Bonbonpapierchen, leere Kugelschreiber , USB-Sticks, alte Kassenbons, Notizpapier, früher auch Tampons, vor allem Reste der dünnen Schutzhülle, die gerne an allem haftete.

Ein besonders übles Exemplar eines Drecksacks nutzte ich zu dem Zeitpunkt, als ich Leo kennenlernte. Aufgrund seiner Größe bot der Shopper viel Platz für allerlei Krimskrams. Hinzu kam weiterer Stauraum, da das Innenfutter an einer Seite eingerissen war. Dieser Drecksack sollte mir eine Lektion erteilen. Den Rest des Beitrags lesen »

„How deep is your love“ oder wie ich meine Liebe zu den Bee Gees wiederentdeckte

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Disco

1967 traten die Bee Gees in mein Leben. Ich war 14 Jahre alt und sehr an Pop Musik interessiert, damals sagte man Beatmusik, meine Großmutter sprach von Negermusik. Es gab noch keine MP3-Player, keine CDs, keine iTunes. Alles, was ich besaß, war ein schneeweißes Radio und ein Tonbandgerät mit unhandlichen Spulen, das mein Onkel ausrangiert und mir überlassen hatte. Sonntags hing ich vor dem Radio und versuchte, mittels eines Hand-Mikrophons die Hitparade aufzunehmen. Wenn im entscheidenden Moment meine Mutter ins Zimmer kam oder draußen ein Krankenwagen mit Sirenengeheul vorbeifuhr, war die Aufnahme verdorben. Zu Weihnachten wünschte ich mir einen Plattenspieler und bekam tatsächlich einen der Marke Dual mit Zehnplattenwechsler.

Ab jetzt gab ich mein bescheidenes Taschengeld für Vinyl-Singles aus. Stundenlang saß ich mit meiner Freundin in meinem Zimmer, wo wir unsere bescheidene Plattensammlung rauf und runter dudelten. Dabei träumten wir von den Popgrößen, die als Bravo-Poster an den Wänden verewigt waren. Seit einiger Zeit machten drei Brüder namens Robin, Maurice und Barry Gibb, die in jungen Jahren aus England nach Australien ausgewandert waren, von sich reden. Sie nannten sich die Bee Gees und hatten in Deutschland – soweit ich mich erinnere – erstmals 1967 einen Hit mit New York Mining Disaster 1941. Es folgten To Love Somebody und Massachusetts. Ich glaube, den Text kann ich heute noch auswendig. Die Stimmen der Bee Gees klangen zwar ein wenig wie die einer meckernden Ziege, fanden wir, aber das machte nichts. Auf Feten, die damals hauptsächlich im Partykeller von jemandes Eltern stattfanden, wurden die Songs der Bee Gees gerne gespielt, vermutlich weil sie erste Knutschversuche beim Klammer-Blues ermöglichten. Ich habe den Verdacht, dass die Jungs ihre Musik einzig deshalb tolerierten. Den Rest des Beitrags lesen »

Zwei Filmtipps: Wenn reifere Frauen zu Teenies werden …

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KinoLeuchtschrift_15x15Männer jenseits der 50 sind heutzutage „im besten Alter“. Niemand schert sich darum, wenn ein Endfünfziger oder noch älterer Herr eine junge Frau heiratet oder sich mit einer jüngeren Geliebten schmückt. Stars aus dem Musik- oder Filmgeschäft machen es vor. Oft beträgt der Altersunterschied sogar 20 oder mehr Jahre. Und niemand nimmt Anstoß, wenn diese Männer, die oft selbst aussehen wie verknautschte Sofakissen, in ihrem Versuch, sich der jugendlichen Partnerin anzupassen, peinliche Klamotten und Frisuren tragen oder andere, altersuntypische Dinge tun.

Natürlich gibt es auch beim anderen Geschlecht ein paar Ausnahmen. Tina Turner heiratete unlängst ihren 16 Jahre jüngeren, langjährigen Lebenspartner, Demi Moores Ehe mit Ashton Kutscher galt lange als glücklich – bis eine jüngere kam. Schon die Sprache, die in diesem Zusammenhang benutzt wird, ärgert mich. Gerne spricht man dann davon, dass ältere Frauen sich einen toyboy halten. Ältere Männer hingegen werden immer noch anerkennend als playboys tituliert.

Zum Glück setzt sich anscheinend ganz allmählich die Erkenntnis durch, dass auch sogenannte reifere Frauen Bedürfnisse haben, die sie ausleben wollen. Ich will hier keine Ratschläge geben, wie man sie in Zeitschriften oder kostenlosen Heftchen, die in Apotheken ausliegen, findet. Natürlich kommt man mit vernünftiger Ernährung und ausreichend Sport besser durch die Wechseljahre, und die dort beworbenen Pillen und Gleitmittel können in bestimmten Fällen sicher hilfreich sein. Aber mir geht es vielmehr um das lustvolle Ausleben der Sexualität, das auch jenseits der 50 möglich ist. Den Rest des Beitrags lesen »

Lese-Lust, Schreib-Stil und Kopf-Kino

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Erotische Geschichten, ein ganz besonderes erotisches Tagebuch, Worte und Bilder voller Lust und Leidenschaft – ohne die üblichen Klischees

Doppelherz
Fantasie oder reale Erlebnisse? Meine Figuren sind aus dem Leben gegriffen, haben Ecken und Kanten, aber sie wissen genau, was sie wollen und tun. Schließlich schreibe ich aus der Sicht einer erfahrenen Frau jenseits der 50.

Ich lege großen Wert auf gute Sprache, was nicht heißen soll, dass nicht auch einmal das eine oder andere derbe Wort in meinen Geschichten vorkommt. Eine direkte Sprache und niveauvolle Erotik müssen kein Widerspruch sein. Hauptsache, alle Sinne werden angesprochen und es entstehen lustvolle Bilder im Kopf des Lesers.

Und manchmal kann ich es nicht lassen: Ich kommentiere gerne auch Alltägliches aus der Sicht einer reifen Frau mit Anspruch und verfolge das Geschehen rund um das Thema „Schreiben und Veröffentlichen“ mit kritischem Blick.

In meinen Büchern finden Sie prickelnde Erotik für Leserinnen und Leser mit einem gewissen Anspruch. Mein Erstling Leo – Erotisches Tagebuch beweist, dass auch Frauen jenseits der 50 ein aufregendes Sexualleben haben können.

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Mehr auf diesem Blog unter „Leo“ und „Leseproben“

Mein neuestes Buch Treppen der Lust vereint vier außergewöhnliche Kurzgeschichten, die so kurz gar nicht sind. Hier treffen wir übrigens auch Leo wieder.

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