Schreiben + Lesen

Schnell- und Vielschreiber

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Die Finger immer auf der Tastatur

Der Nachrichtendienst Twitter ist dafür bekannt, möglichst schnell und aktuell zu sein. Viele Autoren nutzen Twitter. Oft sind sie auch noch bei Facebook und Instagram aktiv (das habe ich mir aus Prinzip verkniffen). Darunter sind auch solche, die für sich beanspruchen, Marketing-Tipps für Autoren und ihre Bücher zu geben.

Ein immer wieder zu findender Ratschlag ist, als Autor möglichst viele Bücher im Rennen zu haben und spätestens alle sechs Monate etwas Neues rauszubringen. Schließlich lechzen die vielen Facebook-Freunde geradezu nach einem neuen Werk, zumindest aber nach einem regelmäßig erscheinenden Newsletter. Für eine Langsam-Schreiberin wie mich, die jedes Wort dreimal umdreht, natürlich keine besonders attraktive Vorstellung. Aber was mich am meisten erstaunt: Manchmal haben gerade diese „Autoren“ selbst – wenigstens erkennbar – noch überhaupt kein Buch herausgebracht, und wenn, dann dümpeln ihre Werke irgendwo im Amazon-Nirwana vor sich hin. Nun muss nicht jeder, der anderen Ratschläge erteilt, diese auch selbst erfolgreich beherzigen. Schließlich braucht ein Arzt ja auch nicht alle Krankheiten, die er behandelt, selbst durchlebt zu haben. Aber nachdenklich macht das Ganze schon.

Autoren sollten in allen verfügbaren sozialen Medien möglichst oft präsent sein, liest man, und immer wieder irgendwie auf ihr Buch aufmerksam machen. Diese Art von Eigenwerbung kann sehr schnell anbiedernd wirken und genau das Gegenteil des erhofften Effekts zur Folge haben. Auch der „Dialog“ mit dem potentiellen Leser, z.B. durch Aufforderungen wie „Welches Cover würdet ihr gerne sehen?“, „Wie soll ich Charakter X anlegen?“, oder „Was haltet ihr davon, wenn ich …?“ ist unter Selfpublishern sehr beliebt. Für mich klingt das sehr nach „Lieber Leser hilf mir. Ich hab keinen Plan.“ Die Pseudo-Einbeziehung des Lesers ist meiner Meinung nach mindestens ebenso nervig wie die permanente Selbstspiegelung und Selbstbeweihräucherung.

Auch das Einsammeln möglichst vieler Follower und Freunde ist oft nur Augenwischerei. Bei mir tauchen regelmäßig urplötzlich Follower aus dem englischsprachigen Ausland auf, die übrigens so ganz nebenbei anbieten, bei der Vermarktung meines (deutschsprachigen!) Buches behilflich zu sein. Gegen eine Gebühr versteht sich. Wehe, du folgst nicht innerhalb eines Tages zurück, dann wirst du ganz schnell mit Entfolgen bestraft. Natürlich suggeriert die Anzahl der Follower so etwas wie Erfolg. Aber bemisst sich die Popularität, vor allem aber die Qualität eines Autors an der Anzahl der Follower?

Spätestens seit Donald Trump in der Weltgeschichte herumgeistert, müsste jeden klar sein, was von manchen Tweets zu halten ist. Ein Blick auf die Timeline einiger Autoren bei Twitter fördert, wenn auch nicht so potentiell Gefährliches wie bei Trump, so doch Erstaunliches zu Tage. Im Sekundentakt werden dort Mitteilungen gepostet wie:

„Ich trink jetzt ‘nen Kaffee“ (natürlich mit dem obligatorischen Foto der Tasse plus Inhalt mit Schaumkrönchen!)
„Heute Mittag beim Pizza Aufwärmen zwei neue Buchideen gehabt.“
„Mein Kind schreit.“
„Was macht ihr gerade?“
„Guten Morgen/Mahlzeit/gute Nacht Twitter-Welt.“
Oder besonders alarmierend: „Bin jetzt zwei Tage offline.“
Da fragt man sich natürlich schon, wann diese Leute überhaupt noch zum Schreiben kommen und vor allem, was aus den ganzen Buchideen geworden ist.

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Neuerdings empfehlen manche deshalb Digital Detox oder Social Media Detox, also eine bewusste Enthaltsamkeit von den sozialen Medien, eine Auszeit von der Informationsflut. Muss ich mich jetzt schon rechtfertigen, wenn ich mal ein paar Tage oder (oh Graus!) ein paar Wochen nichts in den sozialen Medien poste? Wieweit ist es mit uns gekommen?

Fazit

Nicht, dass das hier falsch verstanden wird: Der Nachrichtdienst Twitter ist in vielen Fällen ein Segen, z.B. wenn es um Presse- und Meinungsfreiheit in totalitären Staaten geht. Außerdem lernt man durch die Zeilenbeschränkung, sich auf das Wesentliche zu konzentrieren, was gerade für Autoren eine gute Übung ist.

Und tatsächlich gibt es viele Autoren, die den Spagat zwischen eigenem Schreiben und Beratung anderer tatsächlich hinkriegen. Stellvertretend möchte ich hier nennen: @AnnikaBuhnemann @kari_lessir @Marcus Johanus @PHakenjos @Schreibmeer. Diese Autoren setzen sich sehr kompetent mit den Themen Schreiben, Veröffentlichen und Vermarkten auseinander. Ihnen gilt meine ernstgemeinte Bewunderung.

Auch steht es außer Frage, dass viele Twitterer sehr originelle und witzige Tweets produzieren – und das ganz ohne angestrengte Coolness. Respekt! Ich könnte das nicht.

Nach vier Jahren Erfahrung als Selfpublisherin und Verlags-Autorin im Bereich „Erotik“ kann ich insgesamt nur eine nüchterne Bilanz ziehen. Abgesehen davon, dass ich keine Lust habe, Herrn Zuckerbergs Ausspähmöglichkeiten ohne Not zu mehren, halte ich den Stellenwert der viel gepriesenen Verkaufsförderung durch die sozialen Medien für überschätzt. Ein erheblicher Zeitfresser sind sie allemal, und „sozial“ finde ich sie schon gar nicht. Reale Freunde, mit denen ich mich von Angesicht zu Angesicht austauschen kann, sind in jedem Fall wertvoller als Tausende Follower oder virtuelle Freunde. Ich plädiere deshalb für mehr Gelassenheit. Wir sollten uns kein schlechtes Gewissen machen lassen, wenn wir uns mal eine Zeit lang in medialer Enthaltsamkeit üben.

Dazu fällt mir eine Aussage von Dieter Nuhr ein, die sinngemäß lautet: „Es ist nicht mehr entscheidend, was Wahrheit ist, sondern wie viele Follower der Irrsinn hat.“

Ehrenrunden inklusive

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Ein Plädoyer für das Lektorat

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Mein erstes Erotik-Buch Leo- Erotisches Tagebuch habe ich als Selfpublisherin herausgebracht, eine Erfahrung, die ich nicht missen möchte. Jetzt aber, bei meinem neuen Buch „Treppen der Lust – Erotische Kurzgeschichten“, das am 15. März 2015 bei Cupido books erscheint, habe ich die Vorteile eines Verlags schätzen gelernt. Was ich besonders hilfreich fand, war das Lektorat.

Natürlich kann und sollte auch ein Selfpublisher nach Möglichkeit ein Lektorat und Korrektorat haben. Aber anders als bei einem Verlag, muss er das selbst finanzieren. Viele gute freiberufliche Lektoren und Korrektoren bieten diese Dienste an, und ich meine, das ist gut investiertes Geld. Allerdings sollte der Autor bei der Suche nach einem Lektor bedenken, dass nicht jeder in dem Genre zu Hause, in dem man schreibt. Ein Kriminalroman ist nun mal etwas anderes als ein Erotik-Buch.

Leider aber sparen viele Selfpublisher gerade beim Lektorat. Über die Gründe dafür kann man spekulieren. Den Rest des Beitrags lesen »

Gesucht – gefunden

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Mein Buch bei suchbuch.de

Es gibt sie, die Möglichkeiten, auch als vergleichsweise unbekannter Autor im Internet auf sein Buch aufmerksam zu machen – dazu noch kostenlos.

Eine solche Möglichkeit bietet die Plattform http://www.suchbuch.de

Wie in einem Schaufenster in einer Buchhandlung kann man hier sein Buch in der entsprechenden Kategorie anbieten, und der Leser kann nach Herzenslust stöbern. Das Angebot gilt für Selfpublisher ebenso wie für Verlagsautoren. Herzstück der Präsentation ist die Leseprobe. Außerdem gibt es Kategorien für Rezensionen, Klappentext, Autorinformationen und Buchdetails. Die Aufrufe deiner Buchseite werden gezählt. Man kann auch Bücher anderer Autoren bewerten und die eigene Website verlinken, was ich hiermit gerne tue.

Wer mehr will, kann für relativ kleines Geld auch eine monatliche Bannerwerbung kaufen oder andere Zusatzleistungen wie einen Korrekturservice bekommen.

Auf suchbuch.de habe ich kürzlich mein erstes Buch eingestellt, das neue, das im März erscheint, wird sicher folgen. Die kostenlose Variante für mein Buch sieht so aus:

http://www.suchbuch.de/leseproben/erotik/leo___erotisches_tagebuch/4525

Eine Möglichkeit mehr, gefunden zu werden. Danke an den/die Betreiber der Seite.

Piraterie – der neue Fluch, nicht nur der Karibik

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Spätestens seit Johnny Depp als Captain Sparrow erfolgreich die Meere und die Kinos unsicher machte, haftet der Piraterie etwas von Exotik, Südseeromantik und auch Komik an. Dass Piraten schon immer Gewalttaten verübt haben, um sich am Eigentum anderer zu bereichern, wird darüber manchmal vergessen.

Leider ist die Seeräuberei im wirklichen Leben nicht so spaßig und unterhaltsam wie im Film. Heutzutage ist sie auf hoher See auch ein Millionengeschäft. Längst ist die moderne Piraterie in unserem alltäglichen Leben angekommen:
Raubkopien von Musikstücken oder von Filmen, Produkt- und Markenpiraterie, illegale Kopien von Software und Spielen, die Liste ließe sich beliebig fortführen.

Seit einiger Zeit macht die digitale Piraterie auch nicht vor Büchern halt. Da hilft auch der DRM (Digital Rights Management) -Kopierschutz, mit dem beispielsweise amazon seine ebooks versieht, wenig. Findige Menschen haben längst Techniken entwickelt, mit denen sich der ebook-Kopierschutz aushebeln lässt.

Die Autorin Poppy J. Anderson entdeckte unlängst eine Facebook-Gruppe, die per dropbox den Mitgliedern kostenlos (und illegal) ebooks zur Verfügung stellte. Darunter waren leider auch Rezensionsexemplare, die Autoren oder Verlage an Buch-blogger abgegeben hatten. Das bringt natürlich alle seriösen blogs in Misskredit.

Natürlich hat es schon immer Versuche gegeben, unter Umgehung eines Kaufs an Originale zu kommen. Wer hat nicht während des Studiums gerne auf fotokopierte Fachbücher zurückgegriffen? Doch seitdem es ebooks gibt, ist der Diebstahl ungleich leichter geworden und hat verheerende Auswirkungen.

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Die Grafik (rechts) von Isabell Schmitt-Egner macht den Unterschied zwischen einem normalen Leihvorgang und dem unbegrenzten Kopieren von ebooks deutlich:

Was das illegale Herunterladen von ebooks für Autoren und Verlage im Einzelnen bedeutet, hat Daniela Ohms in ihrem Artikel auf den Punkt gebracht. Dem ist nichts mehr hinzuzufügen. Darum hier der link zu ihrem sehr mutigen und lesenswerten Artikel, von dem ich hoffe, dass er weite Verbreitung findet.

http://daniela-ohms.de/autoren-und-e-book-piraterie-mein-ende-des-schweigens/#more-1257

Bitte möglichst „teilen“ oder weiter verlinken!

Was ich bei der ganzen Debatte vermisse, ist ein Hinweis, wie man mit diesem Problem umgehen kann. Ich selbst kann leider auch nichts Gescheites dazu beitragen. Vielleicht schaltet sich mal ein Jurist in die Diskussion ein und nimmt sich der Sache an. Wie ich las, stehen die Server der illegalen Plattformen irgendwo in der Karibik und sind für die deutsche Staatsanwaltschaft nur schwer zu verfolgen.

Also doch wieder Fluch der Karibik!

Lesen und gewinnen

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Lesen und gewinnen mit Wortgestalten

Susanne Ullrich hat auf ihrem Blog Wortgestalten Leo – Erotisches Tagebuch vorgestellt und eine sehr detaillierte Buchbesprechung verfasst, über die ich mich sehr freue:

http://wortgestalten.wordpress.com/2014/10/03/greta-l-vox-leo-erotisches-tagebuch/

Darüber hinaus verlost sie anlässlich der Frankfurter Buchmesse ein Exemplar der Taschenbuch-Ausgabe. Mitmachen kann man noch bis zum 11.10.2014.

Hier geht’s zum Gewinnspiel:

http://wortgestalten.wordpress.com/2014/10/07/gewinnspiel-cupido-books-schenkt-euch-ein-erotisches-tagebuch/

Vielen Dank an Susanne Ullrich, deren Bücherblog in jedem Fall ein Gewinn ist, denn hier schreibt eine wahre Bücher-Freundin und Kennerin.

Von der Indie-Autorin zur Indie-Verlags-Autorin, Teil 2

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Von der Indie-Autorin zur Indie-Verlags-Autorin, Teil 2

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Cupido-books, ein neuer, unabhängiger Verlag, der sich auf niveauvolle erotische Literatur spezialisiert hat, warb am Indiebookday ausgerechnet für mein Buch. Ich war erstaunt, aber auch erfreut.

„Erotische Bücher für Menschen, die mehr erwarten“ ist auf der Website des Cupido-Verlags zu lesen. Das Motto gefiel mir, meine Neugier war ohnehin geweckt. Also nahm ich per Mail Kontakt auf, und es entwickelte sich ein sehr konstruktiver Dialog, der schließlich in einem persönlichen Treffen gipfelte. Seitdem rumorte es in meinem Kopf. Ich hatte mich im letzten Dreivierteljahr daran gewöhnt, alles selbst zu machen, genoss auch die Unabhängigkeit. Sollte ich die wirklich aufgeben? Tagelang wog ich die Vor- und Nachteile des Selfpublishing ab.

Zum Glück gibt es die Selfpublisherbibel von Matthias Matting, der immer wieder sehr informative und hilfreiche Artikel zum Thema Selfpublishing herausgibt. Kürzlich veröffentlichte er die Ergebnisse der großen Selfpublishing-Studie 2014. Den Rest des Beitrags lesen »

Von der Indie-Autorin zur Indie-Verlags-Autorin, Teil 1

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Von der Indie-Autorin zur Indie-Verlags-Autorin, Teil 1

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Vor nicht mal einem Jahr veröffentlichte ich hier einen Artikel mit dem Titel „Ich bin jetzt eine Indie-Autorin“. Darin beschrieb ich, wie ich meinen erotischen Erstling LEO als Self-Publisherin herausbrachte. Seitdem ist einiges passiert. Den Rest des Beitrags lesen »