Reifere Frauen

Was kann ich für Sie tun, junge Frau?

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Was kann ich für Sie tun, junge Frau?

Diese oder ähnliche Fragen werden seit einiger Zeit an mich adressiert. Zunächst freute ich mich über das – wie ich meinte –schöne Kompliment. Dann versuchte ich mich zu erinnern, wann genau mir das jemand erstmalig gesagt hatte. Bestimmt nicht, als ich wirklich noch jung war. Ich meinte mich zu entsinnen, dass ich schon die 50 überschritten haben musste. Fortan spitzte ich die Ohren. Tatsächlich! Man nennt mich „junge Frau“, aber warum nur, wo ich doch offensichtlich nicht mehr so ganz taufrisch bin. Soll das verkaufsfördernd wirken? Soll das der Versuch sein, einer reifen Frau noch mal was Nettes zu sagen? Ist das dem Jugendwahn geschuldet, der nur noch junge Menschen als interessant und begehrenswert empfindet.

VictoriasSecret
Kürzlich war ich zu Besuch bei meiner Tochter in den USA. Hier wurden wir mit „Hi guys, how are you today?“ oder „How’re you doing?“ begrüßt, Floskeln, auf die sowieso niemand eine Antwort erwartet. Erstaunlich, aber ausgerechnet hier, im Land der aufgesetzten Freundlichkeit, wartete ich vergeblich auf ein „young lady“. So wurde völlig zu Recht nur meine Tochter angesprochen. Ich hörte bestenfalls „What can I do for you, love?“ Immerhin fragte man mich manchmal nach meinem Namen, der dann auf ein Zettelchen gekritzelt wurde, wo auch der Name der Verkäuferin notiert war. So erfuhr ich, dass meine ganz persönliche Verkäuferin Deborah, Oprah oder so ähnlich heißt. Gut zu wissen.

Auch im Diner wurde uns der Buchweizen-Pancake nicht nur mit Blaubeeren, sondern auch mit ausgesuchter Höflichkeit serviert. Die Bedienungen trugen Namen von wahrhaft Shakespeare’scher Dimension wie Portia oder Ophelia und immer ein „enjoy“ auf den Lippen. Fehlte nur noch eine Kellnerin namens Hippolyta oder Goneril. Stattdessen war eine quasi-Namensvetterin von mir dabei. Gretchen, gesprochen Grättschen, was für deutsche Ohren ein wenig wie „Frettchen“ klingt.

Am letzten Tag meines USA Aufenthalts dann die Überraschung: Beim Betreten eines Geschäfts stürzte sich eine Verkäuferin auf mich mit den Worten: „What can I do for you, lovely?“.

Also alles wie gehabt. Immerhin nicht „young lady“!

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Bleibt schön schön, auch wenn es welkt?

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Ein Tatort aus Leipzig mit Frauen am Rande des Verfallsdatums

Gestern sah ich mir eine Tatort-Folge an, die aus unerklärlichen Gründen „Frühstück für immer“ betitelt war. Sieht man davon und den etwas hölzernen Dialogen einmal ab, war das Thema durchaus nachvollziehbar behandelt – zumindest für Frauen in einem gewissen Alter. Konkret ging es um einsame Single-Frauen über 40, die auf Ü40-Parties nach Sexualpartnern auf Jagd gehen, sich aber im Grunde ihres Herzens nach der großen Liebe sehnen. Die in der Disco anwesenden Männer nutzen die offensichtliche Torschlusspanik und die hysterische Verzweiflung dieser Frauen skrupellos aus, für schnellen Sex und nicht zuletzt für SM-Spielchen.

Besonders unangenehm fielen dabei zwei männliche Charaktere auf:

Ein widerlicher Flirtcoach schwadronierte davon, dass ihn nur das „Game“, der „Approach“ interessiere, nicht der „Close Fuck“. Aha!

Ein weiterer Fiesling war der graumelierte Schönheitschirurg, der nicht nur seine Ehefrau seit Jahren betrügt, sondern seinen Gespielinnen mit Peitschen und Seilen zu Leibe rückt. Er gerät natürlich prompt in Verdacht, bei einem aus dem Ruder gelaufenen Sexspielchen eine der Frauen stranguliert zu haben. Aber es war alles ganz anders …

Der Film hinterließ bei mir einen zwiespältigen Eindruck:

Gut, dass das Thema „reifere“ Frauen nun auch im Fernsehen zunehmend aus der Verschämtheits-Schublade geholt wird. Die Frauen in dem Film beklagen sich, dass sie ab einem gewissen Alter für Männer „unsichtbar“ werden. Das kann ich bestätigen. Aber ich sage diesen Ü40-Frauen: Es kommt noch schlimmer, wenn man erst mal die 50 überschritten hat. Hat übrigens schon mal jemand ein Plakat für eine Ü50-Party gesehen oder gar eine Ü60-Party? Vielleicht wäre das ja sogar eine Marktlücke.

Die Tochter des filmischen Mordopfers schien es auf den Punkt zu bringen: Wenn man über 50 ist, „dann ist man alt und welk, dann verfault man ganz langsam. … Dann modert man von innen heraus.“ So schlimm ist es nun auch wieder nicht, und ich sage euch jungen Hühnchen nicht ohne Schadenfreude: Gerade ihr habt sogar gute Chancen, euer Alter in Gesellschaft ganz vieler anderer Greise zu verbringen. Außerdem haben wir Frauen mit abgelaufenem Verfallsdatum euch ganz viel voraus an Erfahrung, Lockerheit, Experimentierfreudigkeit und und und

Noch etwas fand ich an dem Film beachtlich: Die Shades-of-Grey Thematik hat nun anscheinend endgültig Einzug in deutsche Wohnzimmer gehalten. SM ist zur besten Sendezeit salonfähig geworden. „50 Shades of Klischee“ titelte Spiegel-Online in Anlehnung an eine Twitter-Reaktion heute. Immerhin: eine Fußfessel in der Vagina des Opfers, das war mal was Neues.

Ich wünsche mir von (Drehbuch-) Autoren und Filmemachern in Zukunft mehr mutigen und differenzierten Umgang mit dem Thema Einsamkeit, Älter Werden und Sexualität.

Das Schlusswort des gestrigen Tatorts stammt übrigens von Maxim Gorki: „Was schön ist, bleibt schön, auch wenn es welkt. Und unsere Liebe bleibt Liebe, auch wenn wir sterben.“

Das stimmt hoffnungsvoll, und tanzen gehe ich auch weiterhin.

Zwei Filmtipps: Wenn reifere Frauen zu Teenies werden …

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KinoLeuchtschrift_15x15Männer jenseits der 50 sind heutzutage „im besten Alter“. Niemand schert sich darum, wenn ein Endfünfziger oder noch älterer Herr eine junge Frau heiratet oder sich mit einer jüngeren Geliebten schmückt. Stars aus dem Musik- oder Filmgeschäft machen es vor. Oft beträgt der Altersunterschied sogar 20 oder mehr Jahre. Und niemand nimmt Anstoß, wenn diese Männer, die oft selbst aussehen wie verknautschte Sofakissen, in ihrem Versuch, sich der jugendlichen Partnerin anzupassen, peinliche Klamotten und Frisuren tragen oder andere, altersuntypische Dinge tun.

Natürlich gibt es auch beim anderen Geschlecht ein paar Ausnahmen. Tina Turner heiratete unlängst ihren 16 Jahre jüngeren, langjährigen Lebenspartner, Demi Moores Ehe mit Ashton Kutscher galt lange als glücklich – bis eine jüngere kam. Schon die Sprache, die in diesem Zusammenhang benutzt wird, ärgert mich. Gerne spricht man dann davon, dass ältere Frauen sich einen toyboy halten. Ältere Männer hingegen werden immer noch anerkennend als playboys tituliert.

Zum Glück setzt sich anscheinend ganz allmählich die Erkenntnis durch, dass auch sogenannte reifere Frauen Bedürfnisse haben, die sie ausleben wollen. Ich will hier keine Ratschläge geben, wie man sie in Zeitschriften oder kostenlosen Heftchen, die in Apotheken ausliegen, findet. Natürlich kommt man mit vernünftiger Ernährung und ausreichend Sport besser durch die Wechseljahre, und die dort beworbenen Pillen und Gleitmittel können in bestimmten Fällen sicher hilfreich sein. Aber mir geht es vielmehr um das lustvolle Ausleben der Sexualität, das auch jenseits der 50 möglich ist. Den Rest des Beitrags lesen »