Erotische Literatur

Das Repertoire erotischer Klischees

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Ob wir jemals genug davon bekommen?

Seit einigen Jahren findet man in der Erotikliteratur in leicht abgewandelter Form das folgende Szenario:

Ein Mann, mit Mitte 20 bereits Milliardär, aber mit SM-Neigungen trifft auf unbedarftes Mädchen. Die beiden verlieben sich und die Geschichte nimmt ihren vorhersehbaren Lauf.

Es versteht sich von selbst, dass der Milliardär mit perfekten Antlitz und Körper ausgestattet ist. Natürlich fährt er dicke Autos, fliegt mit seinem Privatjet in der Gegend rum, ist ausgesprochen kultiviert und trotz seiner sadistischen Neigungen im Grunde ein herzensguter Kerl, der großzügig für Arme, Kranke und andere Beladene spendet.

Das Mädchen ist natürlich ebenfalls wunderschön, noch Jungfrau, zumindest unerfahren, erlebt aber mit besagtem Milliardär sofort beim ersten Mal einen wahnsinnigen Orgasmus. Wenn sie nicht gerade von ihrem reichen Liebhaber ausgepeitscht oder sonstwie gequält wird, beißt sie sich dauernd auf die Unterlippe und rollt mit den Augen, was wohl als besonders sexy gelten soll.
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Nach etwa einer Woche sind sich die beiden einig, dass es zwischen ihnen die große Liebe ist, und sie niemals genug von einander bekommen werden, wäre da nicht irgendein verschwurbeltes Hemmnis, z.B. Bindungsängste des Multimillionärs, eine Kuss-Phobie, eine verkorkste Kindheit oder eben – wer hätte es gedacht – seine sexuellen Vorlieben. Das Paar trennt sich, findet wieder zusammen, alles wird noch komplizierter, aber am Schluss gibt es ein Happy End.

Das kommt einem seit „Shades of Grey“ („SOG“), „Crossfire“, „Paper Prince“ & Co. bekannt vor. Der Grund-Plot lässt sich in die verschiedensten Kulissen verpflanzen. Der männliche Part könnte auch der größte Filmstar der Welt sein, der „Sexiest man Alive“, ein russischer Prinz oder ein Ölscheich, Hauptsache schwerreich und Hauptsache BDSM. Eine andere Nachahmer-Schiene surft seltsamerweise auf der Twilight-Welle. Diese Art von erotischer Literatur bevölkern überirdisch schöne Vampire, der Plot ist angereichert mit Fantasy-Elementen. Sogar Einhörner wurden hier schon gesichtet. Die will ich mir lieber nicht beim Sex vorstellen.

Ich möchte hier nicht das fragwürdige Frauenbild diskutieren, das diesen Büchern zugrunde liegt, in denen es meist nicht um die Sexualität der weiblichen Hauptperson geht, sondern nur um das, was ihm gefällt. Der sexistische Grundton an sich ist schon ärgerlich genug. Geradezu abstoßend ist jedoch die Leichtigkeit, mit der sexueller Missbrauch und Vergewaltigung als Kavaliersdelikte abgetan werden.

Die „Mutter“ aller in der letzten Zeit erschienenen BDSM Erotikromane hat durchaus ihre Verdienste. E.L. James hat ihre aus der Fan-Fiction entstandene Trilogie „SOG“ geschickt angelegt und etwas geschaffen, das es zum Zeitpunkt ihrer Veröffentlichung so noch nicht gab. Immerhin weiß nun auch die biederste Hausfrau, was Flogger und Smartballs sind, und dass „SUB“ nicht nur „Stapel ungelesener Bücher“ bedeutet. Sicher wurden durch „SOG“ auch manche Frauen angeregt, etwas über ihre sexuellen Fantasien herauszufinden, von mir aus dürfen gerne auch Unterwerfungsfantasien dabei sein.

Schlimm ist allerdings, was auf dem Buchmarkt daraus geworden ist. Als Fan-Fiction zu „SOG“ können die vielen Verschnitte nicht durchgehen. Dazu sind sie zu bierernst und leider meist auch zu schlecht geschrieben. Das wirft einige Fragen auf:

Ich frage mich, ob es in Erotikromanen heutzutage überhaupt noch ohne BDSM geht.

Ich frage mich, warum Leserinnen – auch reife, durchaus emanzipierte Frauen – anscheinend auf diese krude Mischung aus Softporno, halbgarem Sadomaso-Gedöns, romantischem Firlefanz, Frauen-Verachtung und inhärente Gewaltverherrlichung fliegen.

Ich frage mich, warum sich auch noch der tausendste Abklatsch des immer gleichen Themas verkauft. Aber wie es scheint, ist dieser Markt immer noch nicht gesättigt.

Das alles ist und bleibt mir ein Rätsel. Ich persönlich will auch in Erotikbüchern keine unglaubwürdigen, eindimensionalen Charaktere, keine gelackte Schönlinge oder Fantasiefiguren. Ich wünsche mir welche, die mir auch in der Realität begegnen könnten. Doch ich fürchte, dass es weiterhin genug Leserinnen gibt, die von der immer gleichen Story und den holzschnittartigen Charakteren niemals genug bekommen werden und dabei leider auch durchaus bedenkliche Inhalte billigend in Kauf nehmen.

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Erotische Szenen schreiben

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Über Twitter stieß ich auf einen Beitrag von Vanja Bajohr (alias Tristan), der sich mit dem Schreiben erotischer Szenen befasst. Der Text ist zwar sehr lang, aber jede Zeile wert. Selten habe ich einen so gut strukturierten und klugen Beitrag zu dem Thema gelesen – und dazu auch noch in fehlerfreiem Deutsch, was bei vielen Bloggern ja leider nicht immer selbstverständlich ist. Die weiter führenden Links am Ende des Artikels sind übrigens auch lesenswert.
Mit Zustimmung des Autors hier der Weg zum Beitrag:

http://tristanscreams.fervorcraft.de/erotik-schreiben-ein-kleiner-guide/

Der Autor steckt auch hinter dem wirklich amüsanten Twitter-Account Desasterotik@germanerotica, wo u.a. abschreckende Beispiele aus der Erotik „Literatur“ geboten werden. Manchmal zum Schreien komisch!

Ein Klassiker der erotischen Literatur – wiederentdeckt

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John Cleland, Fanny Hill

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Neulich stieß ich beim Aufräumen meines Bücherregals auf eine ziemlich angestaubte Ausgabe von „Fanny Hill“ in englischer Sprache. Das Paperback war schon leicht zerfledert, enthielt aber Reproduktionen von William Hogarths Kupferstichen, die Fannys Werdegang bildlich dokumentieren. Direkt daneben stand ein etwas weniger altes deutsches Exemplar, leider ohne Illustrationen. Dieses habe ich noch einmal „kritisch“ gelesen.

„Fanny Hill“ von John Cleland erschien im Jahr 1749. Wegen des obszönen Inhalts waren das Buch und seine Übersetzungen in verschiedenen Ländern lange verboten. In Deutschland darf es unzensiert erst seit 1969 (!) frei verkauft werden.
Formal ist das Buch dem damals populären Briefroman zuzuordnen. In zwei langen fiktiven Briefen schildert Fanny Hill ihre Erlebnisse im Alter von 15-19 Jahren. Adressat ist eine gewisse „Madame“, die aber so sehr im Vagen bleibt, dass man sie als Leser schnell vergisst und den Eindruck hat, eine ganz normale Ich-Erzählung vor sich zu haben, die sich zu einer Romanhandlung entwickelt.

Nach dem Tod ihrer Eltern verlässt Fanny das heimische Liverpool, um in London ihr Glück zu suchen. Dort gerät sie unter die Fittiche einer Kupplerin, die sie in ihrem Freudenhaus an Männer vermittelt. Es folgen Anstellungen in verschiedenen Häusern und Beziehungen zu wohlsituierten Männern. Fanny verliebt sich in einen ihrer Kunden, Karl/Charles, mit dem es schließlich auch ein Happy End gibt.

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Genau genommen handelt es sich bei „Fanny Hill“ um einen monoperspektivischen Briefroman, da kein Briefaustausch stattfindet, sondern uns nur die Aufzeichnungen einer Person vorliegen. Diese Perspektive lässt den Leser unmittelbar an der Gefühls- und Gedankenwelt der Verfasserin Fanny teilhaben.
Wir werden Zeuge, wie Fanny von ihrer Zimmergenossin in die Freuden der Lust eingeführt wird, wie sie durch heimliche Beobachtung lernt und ihre eigenen Erfahrungen macht. Sie findet zunehmend Gefallen an der Sexualität, sogar an ihrer Arbeit. Die Entwicklung vom naiven, unerfahrenen Mädchen zur sinnesfrohen, selbstbewussten jungen Frau, die aus ihren körperlichen Reizen und einer sinnlichen Veranlagung Kapital zuschlagen weiß, ist durchaus differenziert dargestellt. Besonders ihre Empfindungen während des Sexualakts sind subtil beschrieben.
Die männlichen Protagonisten hingegen bleiben insgesamt eher blass. Abgesehen von einer Beschreibung ihrer äußeren Merkmale sind sie meist reduziert auf ihre sexuelle Potenz; selbstverständlich sind sie alle gut bestückt und ausnahmslos bereit und auch in der Lage, ihre Partnerinnen zu befriedigen.
Obwohl das Buch mit einem moralisierenden Ende aufwartet, das die Bedeutung der geistigen Liebe als Grundlage für echte Erotik betont, ist der Inhalt insgesamt sehr frivol und ohne gesellschaftskritischen Anspruch. Eine Sex-Szene folgt auf die andere, mit Sex in allen möglichen Spielarten. Die Lustbefriedigung steht immer im Vordergrund. Gibt es einmal Probleme, ist der (vorgetäuschte) Ohnmachtsanfall ein probates Mittel zur Konfliktlösung.
Die Prostitution wird nicht hinterfragt, vielmehr als erstrebenswertes Gewerbe gepriesen, das neben einer guten Einnahmequelle den Frauen anscheinend ausnahmslos höchstes sexuelles Vergnügen beschert. Mögliche Geschlechtskrankheiten – zur damaligen Zeit sicher ein großes Problem – werden ebenso wenig thematisiert wie ungewollte Schwangerschaften und Verhütung. Fanny erwähnt denn auch eher beiläufig: „Ich war drei Monate schwanger von ihm [Karl] gewesen.“ Mehr erfährt man nicht und kann nur vermuten, dass die Schwangerschaft abgebrochen wurde. Solche Aussparungen mindern die Glaubwürdigkeit von Fannys Bericht.
Clelands Sprache ist ein Spiegel ihrer Zeit und für den modernen Leser etwas gewöhnungsbedürftig. Abgesehen von antiquierten Wörtern wie „Muhme“, „Beinkleider“, „Mannheit“ oder „Gevatterin“ ist es vor allem der verschachtelte, leicht gestelzte Satzbau, der die Lektüre erschwert. Manchmal muss man einen Satz zweimal lesen.
Das Buch ist auch nicht frei von sprachlichen Wiederholungen, besonders bei der Beschreibung des männlichen Geschlechtsteils als „Maschine“, „Instrument“ oder „Speer“. Dabei wirken Formulierungen wie „seine schreckliche Bohrmaschine“, „der aufrührerische Schelm“ oder „sein rotköpfiger Champion“ aus heutiger Sicht oft unfreiwillig komisch. Insgesamt jedoch ist Clelands Stil geprägt von einer ausdrucksstarken Bildsprache mit schönen Metaphern und ungewöhnlichen Vergleichen.
Die erotischen Szenen sind nach heutigen Maßstäben nicht sehr direkt ausgeführt, doch ist es gerade das nur Angedeutete, das die Vorstellungskraft des Lesers anregt.
Vorausgesetzt, man lässt sich auf die etwas sperrige Ausdrucksweise des 18. Jahrhunderts ein und ist bereit, Abstriche bei der psychologischen Glaubhaftigkeit von Handlung und Charakterzeichnung zu machen, wird man diesen frühen Klassiker der erotischen Literatur mit Genuss lesen können.

Interview: Erotische Texte schreiben

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Interview mit Greta L. Vox

Das Interview über das Schreiben erotischer Geschichten, das Andreas Hollender seinerzeit mit mir führte und auf seinem damaligen Portal „MreBook“ unter dem Titel „I had the time of my life“ veröffentlichte, ist zwar schon etwas älter, aber immer noch aktuell, finde ich.

Es bedarf allerdings einer kleinen Korrektur:
Die am Ende des Interviews erwähnten geplanten Kurzgeschichten sind längst veröffentlicht: Treppen der Lust, erschienen bei Cupido Books http://cupido-books.com/portfolio-item/treppen-der-lust/
Treppen final

Neue Geschichten sind in Arbeit.

In dem Interview äußere ich mich u.a. zu folgenden Fragen:

-wie schwierig es manchmal ist, die richtigen Worte zu finden
-wieso nicht alle Top-platzierten Erotikbücher gut sind
-weshalb man auch mal gegen den Trend schreiben sollte
-warum nicht nur Jüngere lustvoll agieren können

Lest selbst. Den Rest des Beitrags lesen »

„Leo“ als Schullektüre? Von Sinn und Unsinn des Rankings

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Leo als Schullektüre?

Eines vorweg: Mein Buch „Leo – erotisches Tagebuch“ ist aus gutem Grund erst ab 18 Jahren freigegeben und ist definitiv keine Schullektüre.

Umso erstaunter war ich, als ich bei meinen gelegentlichen Streifzügen über die Lovelybooks Seite „Leo – erotisches Tagebuch“ in der Hitliste der unbeliebtesten Schullektüren antraf. Das Buch belegt dort einen respektablen 227. Platz von insgesamt 232 Plätzen.

Ranking

Auf Platz 1 steht übrigens Goethes „Die Leiden des jungen Werther“, gefolgt von Theodor Storms „Der Schimmelreiter“ und Goethes „Faust“. Auch sonst sind vor allem die Klassiker vertreten: Schiller, Büchner, Sophokles, Shakespeare, Brecht, Kafka, Frisch, Dürrenmatt usw. Abgestimmt haben immerhin rund 800 User. Den Rest des Beitrags lesen »

Die „Venus“, nicht die von Botticelli, aber mit „Leo“

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Die „Venus“, nicht die von Botticelli, aber mit „Leo“

Auf der Erotikmesse „Venus“ in Berlin gibt’s jetzt auch richtige Bücher zum Thema:

Lesung aus „Leo – Erotisches Tagebuch“

heute, Donnerstag, den 15.10.2015, um 17 Uhr in Halle 18 am Stand von Cupido Books im Séparée

Außerdem gibt’s handsignierte Exemplare meines Buches. Also nichts wie hin!

Leo und Venus

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„Leo“ goes „Venus“

Am Donnerstag, den 15.10.2015 präsentiert sich „Leo – Erotisches Tagebuch“ auf der Erotik-Messe „Venus“ in Berlin.
Mein Verlag, Cupido Books, veranstaltet dort um 17 Uhr eine Lesung aus meinem erotischen Tagebuch, und von mir signierte Print-Exemplare liegen am Messestand zum Kauf bereit.

http://www.venus-berlin.com/venus-programm/
Neon sings of Venus and Mars - vector illustration
Na, ja, es ist zwar nicht die zeitgleich stattfindende Frankfurter Buchmesse, aber dort ist erotische Literatur leider immer noch nicht nennenswert vertreten. Mit Sicherheit findet sich auf der „Venus“ ein aufgeschlossenes Publikum ein. Und überhaupt:

Leo, Cupido und Venus gehören zusammen.

„Cupido“ ist das lateinische Wort für Begierde, Trieb, Leidenschaft, sinnliche Liebe, aber auch für den altrömischen Liebesgott. Manchmal wird er auch Amor genannt.

Amor vincit omnia_Caravaggio

In der bildenden Kunst findet man den Liebesgott meist als kleinen nackten Knaben mit Pfeil und Bogen oder mit Köcher. Oft ist er der Begleiter der Göttin Venus. Mit seinen Pfeilen trifft er mitten ins Herz und erweckt die Liebe. Widerstehen kann man ihm nicht, denn „Omnia vincit Amor“ („die Liebe besiegt alles“).

Manchmal wird Cupido auch blind dargestellt. Darum legt Shakespeare seiner Heldin Helena aus dem „Sommernachtstraum“ auch folgende Worte in den Mund:

„Die Liebe sieht nicht, sondern träumt und sinnt, drum malt man den geflügelten Amor blind.“

Wer kennt das nicht?