Alltägliches

Aus-gesucht erotisch

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Mein am 15. September 2017 erschienenes neues Buch

Ausgesprochen-erotisch-web

ist jetzt auch bei suchbuch.de zu finden:

http://www.suchbuch.de/leseproben/erotik/ausgeprochen_erotisch/5652

 

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Es bläst und saugt

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Es bläst und saugt

Der Herbst ist da. Woran merken wir das? Der kalendarische Herbstanfang kann es diesmal nicht gewesen sein, denn der kam als Hochsommertag daher.
Die Stunden mit Tageslicht werden weniger, und bald droht die lästige Umstellung auf die Winterzeit. Meine Autowerkstatt erinnert mich schon mal an die Umrüstung auf Winterreifen. Auch sonst mehren sich die Anzeichen:
In den Marktständen liegen Pilze und die ersten Kürbisse.

kuerbisse

Beim Joggen muss ich aufpassen, dass mir keine blank polierte Kastanie oder Eichel auf den Kopf fällt. Auf dem Weg liegen igelartige Gebilde, die Haselnüsse beherbergen. Am Wegesrand sprießen wunderschöne Fliegenpilze, in den Sträuchern hängen knallrote Beeren.

Das Laub verfärbt sich und fällt ab. Und hier kommt das untrügliche Zeichen für den Herbstbeginn ins Spiel:

Wenn man früh morgens unsanft von einem durchdringenden Geräusch geweckt wird, ist er da, der Herbst, und mit ihm eine Errungenschaft namens Laubbläser. Dieses Gerät ist nicht nur Angestellten des städtischen Reinigungsdienstes vorbehalten, nein, es ist dummerweise auch im Baumarkt von Privatleuten zu erwerben. Das lässt jedes Männerherz höher schlagen. Es scheint, der Laubbläser hat dem Aufsitzrasenmäher oder dem Laubhäcksler als potentielle Ruhestörungsquelle längst den Rang abgelaufen. Denn mit ihm kann auch der Hobbygärtner richtig Krach machen. Berichten zufolge erreicht ein Laubbläser ähnlich hohe Dezibelwerte wie eine Kreissäge oder ein Presslufthammer.

Sicher ist es einfacher und macht mehr Spaß, das Laub mittels dieses Geräts zusammen zu pusten als wie früher den Besen oder Rechen zu bemühen. Ob es Sinn macht, das Laub zu riesigen Hügeln aufzutürmen, wo ein Windstoß genügt, es wieder aufzuwirbeln, sei dahin gestellt. Auch die Vorstellung, dass durch den Blasvorgang sicher Millionen von Pilzsporen freigesetzt werden oder auch Keime, z.B. durch Hundekot, aufgewirbelt werden, ist nicht gerade schön.
Der gemeine Laubbläser hat leider auch einen ähnlich lauten Bruder – den Laubsauger. Während der Laubbläser das Laub einfach vor sich her treibt, z.B. praktischerweise in Nachbars Garten, saugt der Laubsauger das Laub an und fängt es in einem Sack oder Behälter auf. Also ein multifunktionales Gerät, das mich an einen alten Sketch von Loriot erinnert. Darin versucht ein Staubsaugervertreter, einer Hausfrau ein Modell namens Heinzelmann schmackhaft zu machen, dessen Sauger auch zur Trockenhaube umfunktioniert werden kann. Der Sketch ist verantwortlich für den herrlich zweideutigen Satz „Es bläst und saugt der Heinzelmann, wo Mutti sonst nur saugen kann.“

Der Gedanke an diese Kombination aus Staubsauger und Trockenhaube macht mir die herbstliche Bläserattacke irgendwie erträglicher. Und Laub ist schön!

laub

Die Entzauberung der Bilder

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Erinnerungen auf Papier

Neulich fiel mir ein Fotoalbum in die Hände. Ich meine nicht eines dieser Fotobücher, die man mit seinen Digitalfotos im Drogeriemarkt ausdrucken lassen kann. Nein, ich meine ein richtiges Fotoalbum: aus braunem Leder, die Seiten aus schwarzem Karton, Schwarz-Weiß-Fotos mit gezacktem Rand, sorgfältig eingeklebt oder in Fotoecken steckend, in Schönschrift untertitelt, zwischen den einzelnen Seiten Trennblätter aus Pergament, die beim Umblättern so schön rascheln.

Als die Fotos entstanden, waren Filme noch teuer und für maximal 36 Bilder ausgelegt. Das Fotografieren war daher ein Ereignis, und man fotografierte nur, was wirklich wichtig war: Die Hochzeit, die Taufe, die Kinderkommunion, Geburtstage, der erste Schultag, Reisen usw. Zu den frühen Aufnahmen von mir selbst gehört ein Baby-Akt auf Fell, ein kleinformatiges Foto mit gezacktem Rand, später dann eines, auf dem ich Zahnlücke und eine Schultüte trage. Dieses Bild hatte schon einen glatten Rand. Kurz darauf hielten die ersten Farbfotos Einzug ins Album, die im Laufe der Zeit leider oft einen leichten Braunstich entwickelten. Egal! Der Zauber, den die Schwarz-Weiß-Bilder verströmen, geht den Buntbildern sowieso meist ab.

Etwa ab Beginn der 1970er Jahre wurde das Album nicht weitergeführt. Vermutlich galt so etwas zu der Zeit uncool. Stattdessen landeten Fotografien in einer Blechdose und in ein paar Schuhkartons, vielleicht mit der Absicht, sie später einmal zu sortieren oder einzukleben.

Waren diese ungeordneten Provisorien der analoge Vorläufer unserer Smartphone-Alben?

Digitaler Overkill

Die größte fotografische Revolution der letzten Jahre stellt zweifellos die Digitalfotografie dar, die gepaart mit der Erfindung des Smartphones, eine inflationäre Produktion von Bildern zur Folge hatte. In diesen Alben wird nicht mehr geblättert, sondern gewischt.

Damit einher geht eine neue Art von Narzissmus, eine konstante Selbstbespiegelung, die im Selfie ihren perfekten Ausdruck findet. Zum Selfie gehört es, gut drauf zu sein, am besten in Partystimmung: Die Zähne gebleckt, Augen weit aufgerissen, vorzugsweise leicht bekleidet und mit Glas in der (freien) Hand. Aber sehen wir uns diese Tausende von Bildern, die am ausgestreckten Arm oder mit Selfie-Stick entstanden, eigentlich je wieder an? Tun wir es tatsächlich, kommt schnell Langeweile auf, denn im Grunde sieht ein Bild wie das andere aus. Die digitale Fotografie hat die Beliebigkeit zum Prinzip erhoben.

Milliardenfach schwirren die Selfies im Netz: Fußselfies, Kuss-Selfies, erotische Selfies, spektakuläre z.B. mit gefährlichen Tieren, vor fahrenden Zügen, auf hohen Gebäuden aufgenommen. Ein Sturz aus großer Höhe ist übrigens die häufigste Todesursache bei waghalsigen Selbstporträts. Selbst ein Affe hat ein Selfie geschaffen – das sagt eigentlich schon alles – wobei ein Streit um das Urheberrecht entbrannte.

Dokumentationswut

Aber natürlich fotografieren wir uns nicht nur selbst. Die permanente Verfügbarkeit und der schier unbegrenzte Speicherplatz moderner Geräte führen dazu, dass beinahe reflexhaft alles geknipst wird, was uns vor die Linse kommt. Die Dokumentationswut kennt keine Grenzen mehr. Und das nicht nur bei Promis wie Kim Kardashian, die den lieben langen Tag nichts anderes zu tun scheint, als über Instagram oder Twitter Fotos in die Welt zu schicken. Auch ganz normale Menschen verspüren offensichtlich den Drang, jede noch so banale Kleinigkeit ihres Lebens bildlich zu dokumentieren, zu posten und mit ihren Mitmenschen zu teilen. Im Gegenzug werden ihre Fotos geliked, kommentiert und weiter geteilt.

Viele Leute lichten im Restaurant ihr Essen ab, bevor sie es verputzen. Neulich startete ich ein Experiment. Den Teller beim Griechen mit dem Smartphone fotografiert: Das Motiv eher simpel, rechts ein Berg Fritten, vorne etwas Weißkohlsalat und links zwei Köfte, die aussahen wie überdimensionierte dunkle Hoden. Schnell das Bild über whatsapp mit Freunden geteilt. Innerhalb weniger Minuten hatte ich ca. ein Dutzend Reaktionen, meist in Bildform und ziemlich sinnfrei: ein Topf mit Suppe, ein Teller Spaghetti Carbonara, eine Currywurst mit roter Soße, ein Latte Macchiato mit Herzchen in der Schaumkrone (sehr beliebtes Motiv!) aber auch Botschaften wie ein hochgereckter Daumen, eine Reihe trauriger Smileys sowie die Zuschrift „gemein“. Was will uns das sagen? Dass andere

a) gerade auch beim Essen sind
b) nicht beim Essen sind, aber gerne etwas essen würden
c) mein Essen so toll finden, dass sie neidisch werden

Muss ich das wissen? Ich weiß es nicht. Irgendwann werden wir in der digitalen Flut ertrinken. Aber bevor es soweit ist, poste ich hier auch gleich noch ein Bild von meiner längst verschiedenen Katze, natürlich in schwarz-weiß. Das Tier war sowieso nur grau getigert.

Katze_klein

Tierbilder gehen immer!

7/8 Hosen und andere Sünden

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Es ist komisch. Sobald die Temperaturen steigen, fallen anscheinend die Grenzen des guten Geschmacks. Zumindest in modischer Hinsicht. Das gilt auch für solche Menschen, die im Rest des Jahres durchaus gut gekleidet sind.

Ganz oben in der Hitparade der schlimmsten Modesünden stehen für mich zwei Varianten der sogenannten Caprihose, die erstmals in den 1950er Jahren als etwas skandalöser Modehit von sich reden machte. Ich weiß nicht warum, aber damals sahen die Hosen einfach besser aus. Vielleicht lag es an den berühmten Trägerinnen wie z.B. Audrey Hepburn, Marilyn Monroe oder Sophia Loren.

Heute wird die Caprihose, deren Saum bekanntlich über dem Fußknöchel endet, gerne als 7/8 Hose bezeichnet. Die Kurzvariante reicht bis knapp über das Knie und nennt sich 3/4 Hose. Ehrlich gesagt, verstehe ich das nicht so ganz. Ich dachte immer, 3/4 würde 6/8 entsprechen, nicht 7/8. Aber in Bruchrechnung und folglich auch im Kürzen von Brüchen war ich noch nie gut . Den Rest des Beitrags lesen »

Nicht nur zur Weihnachtszeit

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Nicht nur zur Weihnachtszeit …
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… funkelt und blinkt es allenthalben in der Dämmerung und des Nachts. Jeder Kiosk-Betreiber, der etwas auf sich hält, hat heutzutage eine dieser LED-Leuchtreklamen an seiner Fensterscheibe. Aber auch Imbissbuden, Cafés, Bars und Geschäfte haben zumindest das schon obligatorische “Open“ oder “Welcome“ Schild im Angebot.
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Gyros
Die Werbung blitzt in allen möglichen Varianten: Café (mit dem Tässchen mal rechts, mal links), Döner, Gyros (oder beides zusammen), Ice-cream, Pizza, Currywurst usw. Oft blinkt der Schriftzug auch in schnellen Intervallen.

Sogar Handwerke und Gewerbe haben plötzlich ihren Hang zu Neon entdeckt: Der Friseur wirbt mit einer schnippelnden Schere, eine Fahrschule mit einem kleinen Auto, ein Musikalienhandel mit einer Gitarre, selbst ein Zahnarzt macht mit einer leuchtenden Zahnwurzel auf sich aufmerksam. Ob das den Patienten die Angst vor einer Wurzelbehandlung nimmt?
Und damit man auch genau weiß, auf was man sich einlässt, oder falls mal einer des Deutschen nicht Mächtigen vorbeikommt, verkündet das Nagelstudio vorsichtshalber noch “Nails“, der Fotokopierladen “Copie“, der Blumenladen “Flowers“.
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In der letzten Zeit ertappe mich immer öfter dabei, dass ich die leuchtenden Dinger sammle – nur virtuell versteht sich. Immerhin konnte ich der Versuchung nicht widerstehen und habe einige fotografiert, also ist meine Sammelleidenschaft doch nicht rein virtuell. Irgendwie wirkt das Geblinke auch ansteckend, finde ich.
Jedenfalls habe ich mir unter dem Vorwand, etwas für meine Sicherheit zu tun, eine LED-Stirnlampe zum Joggen bei Dunkelheit zugelegt, mit der ich wie ein Alien aussehe, mindestens aber wie ein Bergmann, der gerade auf Schicht einfährt. Ich liebäugle auch mit einem LED-Leuchtband, das am Arm oder Bein getragen werden kann und abwechselnd in den schönsten Farben funkelt, ähnlich diesen Leuchthalsbändern, die manche Hundebesitzer ihren Fifis umlegen. Ein gängiges Modell heißt übrigens Blinki.

Weihnachtsbaum
Wie schrieb doch Theodor Storm in einem Weihnachtsgedicht: „Allüberall auf den Tannenspitzen sah ich goldene Lichtlein sitzen.“ Das ist längst überholt. Heute leuchtet es in Geschäftsstraßen, im Park oder im Wald – und das nicht nur golden und nicht nur zur Weihnachtszeit.

In diesem Sinne wünsche ich allen schöne Festtage.

Wir haben für Sie geöffnet

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Wir haben für Sie geöffnet

Geöffnet

Früher ist mir das nicht aufgefallen. Ich meine die Sitzmöbel, die überall in den Kaufhäusern oder in den größeren Bekleidungshäusern herumstehen: Tiefe Kunstledersessel, die im Sommer so eklig am nackten Oberschenkel kleben, wenn man aufsteht, oder auch Sofas aus dem gleichen Material.

Jedenfalls sind diese Sitzgelegenheiten fast ausnahmslos von Männern besetzt. Von wartenden Männern. Während ihre Frauen zwischen den Kleiderständern herumstreunen oder in Kabinen „schnell“ mal was überziehen, sind die sie begleitenden Männer strategisch auf diversen Sitzmöbeln verteilt. Strategisch deshalb, weil sie nah genug bei den Kleidungsstücken sind, um noch alles im Blick zu haben, aber entfernt genug, um ihre Ruhe zu haben. Die meisten dieser Männer blättern in Zeitungen oder Zeitschriften oder – dem Handy sei Dank – daddeln auf ihrem Telefongerät herum. Vielleicht simsen sie auch, lösen Sudokus oder betrachten schweinische Bilder und Filmchen auf ihrem Iphone. Ab und zu unterbrechen sie notgedrungen diese Tätigkeiten. Wenn zum Beispiel die Gattin aus der Kabine tritt und begleitet durch eifriges Heranwinken ruft: „Guck doch mal, wie findest du das?“ Aus den Tiefen der Polstermöbel ertönt gebrummelte Zustimmung oder auch Ablehnung. Dann könnte es spannend werden, denn eigentlich will eine Frau in diesem Moment keine ehrliche Meinung hören. Das hätte das Potential zu einem fiesen Streit, aber meist bleibt es bei einem zugeraunten bewusst mehrdeutig gehaltenem „hmm“, das nur eines signalisiert: Lass mich doch hier in Ruhe sitzen. Den Rest des Beitrags lesen »

Gewagtes Wortspiel: Leo-Print und LEO als Print

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Gewagtes Wortspiel: Leo-Print und LEO als Print

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In diesem Herbst lauern die Wildkatzen überall: Der Leo-Print ist zurück!

Gott sei Dank sind die Zeiten vorbei, als modebewusste Damen sich in einen Pelzmantel aus echtem Leopard hüllten. Heutzutage wird das Fell des Leoparden nur noch kopiert. Man kennt den Muster-Klassiker noch aus den 1980er Jahren, aber anders als bei seiner Blütezeit vor 30 Jahren sieht man neben naturfarbenen Animalprints jetzt auch eingefärbte in Grün, Blau, Rot, sogar in Pink. Die Raubkatzen tigern dieses Jahr durch alle möglichen Kollektionen: Jacken, Röcke, Tops, Schuhe, Hosen, auch Accessoires wie Handtaschen, Hüte, Brille und Schuhe zeigen den Druck.

Die tierischen Klamotten sehen gar nicht schlecht aus, vorausgesetzt, es wird nicht zu dick aufgetragen. Das wirkt schnell billig. Weniger ist gerade hier mehr. Von Kopf bis Fuß auf Raubkatze getrimmt geht höchstens im Karneval.

Obwohl das Leopardenmuster mittlerweile salonfähig geworden ist, und man es auch auf hochwertigem Material gedruckt findet, haftet ihm immer noch die Aura des leicht Anrüchigen an. Wenn das keine gute Überleitung zur Erotik ist! Den Rest des Beitrags lesen »