7/8 Hosen und andere Sünden

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Es ist komisch. Sobald die Temperaturen steigen, fallen anscheinend die Grenzen des guten Geschmacks. Zumindest in modischer Hinsicht. Das gilt auch für solche Menschen, die im Rest des Jahres durchaus gut gekleidet sind.

Ganz oben in der Hitparade der schlimmsten Modesünden stehen für mich zwei Varianten der sogenannten Caprihose, die erstmals in den 1950er Jahren als etwas skandalöser Modehit von sich reden machte. Ich weiß nicht warum, aber damals sahen die Hosen einfach besser aus. Vielleicht lag es an den berühmten Trägerinnen wie z.B. Audrey Hepburn, Marilyn Monroe oder Sophia Loren.

Heute wird die Caprihose, deren Saum bekanntlich über dem Fußknöchel endet, gerne als 7/8 Hose bezeichnet. Die Kurzvariante reicht bis knapp über das Knie und nennt sich 3/4 Hose. Ehrlich gesagt, verstehe ich das nicht so ganz. Ich dachte immer, 3/4 würde 6/8 entsprechen, nicht 7/8. Aber in Bruchrechnung und folglich auch im Kürzen von Brüchen war ich noch nie gut .

Jedenfalls sehen selbst Frauen mit wohl geformten Beinen und guter Figur in der 7/8 Hose oft unproportioniert aus, so als seien sie aus dem Kleidungsstück herausgewachsen oder als ob es zu heiß gewaschen wurde. Aber wie der Name schon suggeriert, die Hose ist eben nichts Halbes und nichts Ganzes.

Caprihose Männer tendieren im Sommer oft zu dem verkürzten Modell und bevorzugen dabei ein unauffälliges Khaki oder Beige. Umso auffälliger sind dafür die aufgenähten Klappentaschen. Es gibt sie in allen möglichen Formen und Größen. Wozu? Für Handys, Proviant, Taschenmesser oder zum Transport anderen dringend benötigten Frachtguts? Immerhin erklärt sich so die Bezeichnung Cargohose. Am Hosensaum ist oft ein Tunnelzug eingearbeitet, der mit Hilfe eines Kordelstoppers zusammengezurrt werden kann. Das ist wohl dazu gedacht, das Eindringen von Insekten oder gefährlichen Kriechtieren zu verhindern. Da die Stopper aber fast nie zum Einsatz kommen, sondern einfach nur so unterhalb des Knies baumeln, erfüllen sie ihren Zweck nur bedingt. Eher schon dienen sie als Blickfang, lenken sie den Blick des Betrachters doch gnadenlos auf stoppelhaarige Waden. Das alles soll lässig wirken und praktisch sein, vor allem wenn die 7/8 oder 3/4 Hose zu Sandalen getragen wird.

Das bringt mich zu einer weiteren Modesünde: der Trekkingsandale. Neulich las ich irgendwo, dass diese Sandalen nur derjenige tragen solle, dessen Vater Gott ist – eine nette Anspielung auf das Wort Jesuslatschen, das in meiner Generation eine Zeit lang gerne verwendet wurde. Die Jesuslatsche war eine Art Vorläufer der Trekkingsandale.

Ob nun Jesuslatschen, Trekkingsandalen oder Off-Road-Sandalen mit beschichteter Sohle und Klettverschluss, sie mögen bequem sein, vielleicht sogar gesund, aber sie sehen einfach Scheiße aus, allein schon deshalb, weil nicht immer gepflegte Füße in ihnen stecken. Besonders schlimm finde ich es, wenn Sandalen mit Socken kombiniert werden.

Ich erinnere mich, dass mein Großvater auch Strümpfe in Sandalen trug. Aber wenigstens keine weißen Tennissocken, sondern kackbraune Kniestrümpfe, die glücklicherweise farblich einigermaßen mit dem Schuhwerk verschmolzen. Auch wurde das großväterliche Schuhwerk noch ordnungsgemäß mit kleinen Schnallen an den Riemchen verschlossen. Sicher hätte Opa viel darum gegeben, wenn der Klettverschluss damals schon erfunden gewesen wäre.

Liebe Männer!

Warum kleidet ihr euch freiwillig wie ein Opa?

Warum um Himmels Willen rüstet ihr euch im Alltag aus, als ginge es auf eine Bergtour?

Warum tragt ihr Klamotten, mit denen ihr euch im Ausland todsicher als deutscher Tourist zu erkennen gebt, vor allem wenn weiter oben noch die rote Funktionsjacke hinzu kommt?

Sandalen1

Erotisch wirkt das nicht!

Irgendwie freu ich mich auf den Herbst.

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Ein Kommentar zu „7/8 Hosen und andere Sünden

    Regine sagte:
    22. August 2015 um 7:41 pm

    Weißt du, Greta, warum ich manchmal gern Fußball schaue? Vor allem wegen Arjen Robben – immer im hautengen Shirt! 😉 Während seine Teamkollegen in Schlabberlook auflaufen, erkennt man AR schon von weitem …. Soll heißen: Ein knackiger Oberkörper macht manche Short- oder Sandalensünde wett … 😉

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