Ehrenrunden inklusive

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Ein Plädoyer für das Lektorat

Schreibmaschine1
Mein erstes Erotik-Buch Leo- Erotisches Tagebuch habe ich als Selfpublisherin herausgebracht, eine Erfahrung, die ich nicht missen möchte. Jetzt aber, bei meinem neuen Buch „Treppen der Lust – Erotische Kurzgeschichten“, das am 15. März 2015 bei Cupido books erscheint, habe ich die Vorteile eines Verlags schätzen gelernt. Was ich besonders hilfreich fand, war das Lektorat.

Natürlich kann und sollte auch ein Selfpublisher nach Möglichkeit ein Lektorat und Korrektorat haben. Aber anders als bei einem Verlag, muss er das selbst finanzieren. Viele gute freiberufliche Lektoren und Korrektoren bieten diese Dienste an, und ich meine, das ist gut investiertes Geld. Allerdings sollte der Autor bei der Suche nach einem Lektor bedenken, dass nicht jeder in dem Genre zu Hause, in dem man schreibt. Ein Kriminalroman ist nun mal etwas anderes als ein Erotik-Buch.

Leider aber sparen viele Selfpublisher gerade beim Lektorat. Über die Gründe dafür kann man spekulieren. Vielleicht sind die Autoren zu sehr von ihrem Text überzeugt, sind „betriebsblind“ geworden. Ein anderer Grund mag sein, dass man auch mit sehr schlechten Texten durchaus Erfolg haben kann. Die Bestseller-Listen gerade bei der Erotik beweisen das. Das ist vielleicht unserer schnelllebigen, zur Oberflächlichkeit neigenden Zeit geschuldet. Warum sollte man sich noch Mühe mit Sprache oder Handlung machen, wenn gerade die stupiden Rein-Raus-Geschichten mit äußerst begrenztem Wortschatz bestens ankommen? Wenn den Leser bereits beim ersten Blick ins Buch zahlreiche Rechtschreibfehler anspringen, finde ich das abschreckend, aber viele Käufer scheint das nicht zu stören.

Vielleicht bin ich altmodisch, aber ich möchte hier einmal eine Lanze für das Lektorat brechen: Über diesen Begriff sind viele falsche Deutungen im Umlauf. Besonders hartnäckig hält sich die Vorstellung, ein Lektorat würde lediglich eventuelle Rechtschreib- und Kommafehler ausmerzen. Ein richtiges Lektorat ist aber viel mehr: es ist in erster Linie Zusammenarbeit mit dem Autor.

Der Lektor arbeitet mit dem Autor am Text, d.h. er wird die Handlung auf Stringenz prüfen, an den Dialogen feilen, die faktische Korrektheit überprüfen, Spannungsbögen aufbauen, wird Ungereimtheiten aufzeigen. Es geht also primär um inhaltliche Dinge, aber oft sicher auch schon um stilistische Stimmigkeit, und natürlich wird der Lektor auch auf Rechtschreibfehler aufmerksam machen. Viele Fehler sind selbst nach mehrmaliger Überarbeitung eines Textes immer noch vorhanden, oder es schleichen sich neue ein, wenn man an einem Satz etwas verändert. Das kennt man ja. Ebenso das hier:

Man ist von einer Idee oder einer sprachlichen Wendung überzeugt, vielleicht geradezu verliebt in eine Formulierung, aber man sieht nicht, dass sie unpassend oder überflüssig ist. Weniger ist oft mehr. Das gilt beispielsweise für den Gebrauch von Adjektiven. Hier kann der Lektor ordnend und beratend eingreifen. Manchmal ist dazu Überzeugungsarbeit nötig.

Sind Autor und Lektor sich einig, geht der Text an das Korrektorat. Die Abgrenzung zwischen Lektorat und Korrektorat ist nicht immer scharf zu ziehen. Gerade in kleinen Verlagen wird beides oft in Personalunion erledigt. Verschiedene Aufgaben sind es schon. Das Korrektorat ist eher auf die Sprache ausgerichtet, d.h. es werden hier (nochmal) Rechtschreibung, Interpunktion, Silbentrennung bewertet. Und wenn es sich um eine Printausgabe handelt, bereitet der Korrektor auch die Druckvorlage vor.

Der Text wird so bis zur Druckfreigabe mehrmals hin- und herwandern. Und genau diese Ehrenrunden sind nötig. Es reicht eben nicht, Freunde und Bekannte oder die Oma das Manuskript lesen zu lassen.

Treppen final

Am 15.03.2015 ist es so weit.
Buchdetails und Vorab-Leseprobe gibt’s hier:

http://cupido-books.com/portfolio-item/treppen-der-lust/

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Ein Kommentar zu „Ehrenrunden inklusive

    sanne1978 sagte:
    26. Februar 2015 um 7:05 pm

    Danke für diesen Blogbeitrag. Der kommt mir gerade sehr gelegen. 🙂 Und ich bin gespannt auf das neue Buch.

    Viele Grüße
    Susanne

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