Meine ganz persönlichen Schreibtipps

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Schreibtipps von der Art „Wie entwickele ich eine Geschichte? Wie erschaffe ich glaubhafte Charaktere?“ will ich hier nicht geben. Das haben andere vor mir getan und sicher besser als ich es könnte. Dennoch möchte ich ein paar Gedanken zum Thema „Schreiben“ formulieren, die mir wichtig sind, auch wenn sie vielleicht banal sind. Sie lassen sich in 4 Punkten zusammenfassen:

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    1. Beobachten

    2. Lesen

    3. Sammeln

    4. Schreiben

1. Was beim Sachbuch die gründliche Recherche ist, kann beim Verfassen nicht-fiktionaler Texte die Beobachtung sein. Ich selbst beobachte und belausche gerne andere Menschen. Das kann überall geschehen. Die besten Szenen und Dialoge schreibt das Leben. Beispiel U-Bahn: Wer einmal bewusst zuhört, was dort gesagt wird, wer die Dramen, die sich hier mitunter abspielen, beobachtet, hat schon Stoff für mindestens eine Kurzgeschichte.

2. Das ist leicht gesagt, denn auch wenn man eine Idee im Kopf hat, ist sie noch lange nicht aufgeschrieben und interessant erzählt. Eine große Hilfe ist das Lesen, wie das Lesen überhaupt eine wichtige Voraussetzung für alles Mögliche ist. Es mag die Zeitung sein, besser aber Literatur von guten Autoren. Literatur kann Unterhaltung, Denkanstoß und Trost sein. In jedem Fall regt sie unsere Fantasie an. Nur beim Lesen lernt man, wie gute Sprache funktioniert, und selbst schlecht Geschriebenes lehrt uns etwas, nämlich wie es nicht sein sollte.

3. Wenn mir in einem Buch eine Formulierung gefällt, kennzeichne ich sie durch Unterstreichen oder mit einem Vermerk am Rand (natürlich mit Bleistift), in eBooks markiere ich sie farbig. Ich führe auch immer eine kleine Kladde mit mir herum, in der ich Ideen notiere, Wörter und gelungene Wendungen sammele. Ich bin manchmal ein wenig wie Hildegard, die Heldin aus Ulla Hahns Roman „Das verborgene Wort“ (ein sehr empfehlenswertes Buch übrigens), die ein Schreibheft anlegt, in dem sie „Schöne Wörter, schöne Sätze“ sammelt.

4. Ist die Zeit gekommen, Ideen zu einer Geschichte zusammenzufügen, schreibe ich erst einmal munter drauf los. Wäre mein Arbeitsplatz aufgeräumter, würde ich wahrscheinlich auch im Kopf so geordnet sein, dass ich sofort ins Reine schreiben könnte. Aber vielleicht muss es so sein. So lese ich das Geschriebene immer wieder, verändere, überarbeite. An den Formulierungen herum zu feilen ist ein langwieriger Prozess. Lohnt aber. Um stilistische Wiederholungen zu vermeiden, finde ich ein Synonymen-Lexikon hilfreich. Auch die Textverarbeitungsprogramme bieten einen Thesaurus mit Wort-Alternativen an. Es gibt Tage, an denen man sehr unzufrieden mit dem Produzierten ist. Dann erst mal alles liegen lassen. Mir hilft es, joggen zu gehen, um den Kopf frei zu bekommen. Wenn ich zurückkomme, hat sich so manches – nicht nur stilistische – Problem gelöst. Jedem wird etwas anderes helfen.

Zum Schluss noch etwas zum Thema Dialoge: Authentisch klingende Dialoge zu verfassen, scheint mir unendlich schwierig. Es ist eine Kunst, das richtige Maß zu treffen zwischen der wörtlichen und damit oft banalen Wiedergabe des gesprochenen Wortes und dem literarisch Anspruchsvollen, bei dem die Gefahr des Gestelzten, Künstlichen lauert. Wenn ich ein Buch lese, sage ich mir manchmal: So spricht doch kein Mensch! Vor allem bei Dialogen in Krimis und historischen Romanen geht mir das so.

Daniel Kehlmann löst in seinem Roman „Die Vermessung der Welt“ das Problem, indem er höchst geschickt die indirekte Rede verwendet. James Wood gibt in „Die Kunst des Erzählens“ einige Tipps zum Schreiben von Dialogen, so wie das Werk auch andere wertvolle Ratschläge über das Funktionieren von guter Literatur bereit hält.

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