Der Drecksack

Gepostet am Aktualisiert am

Woman orange bag

Das Wort „Drecksack“ hat eine doppelte Bedeutung – zumindest für mich.

Der Kabarettist und Comedian Dieter Nuhr hat in einem seiner Programme die Handtasche seiner Freundin einmal als „Drecksack“ bezeichnet. Ich besitze auch mehrere solcher Drecksäcke. Dort vagabundiert neben Ausweispapieren, Geldbörse, und Handy meist auch Überflüssiges bis Vergessenes, manchmal Unsauberes: zerknüllte Papiertaschentücher, Krümel, auf Folienpapier entsorgte Kaugummis, vertrocknete Pfefferminz-Pastillen, Bonbonpapierchen, leere Kugelschreiber , USB-Sticks, alte Kassenbons, Notizpapier, früher auch Tampons, vor allem Reste der dünnen Schutzhülle, die gerne an allem haftete.

Ein besonders übles Exemplar eines Drecksacks nutzte ich zu dem Zeitpunkt, als ich Leo kennenlernte. Aufgrund seiner Größe bot der Shopper viel Platz für allerlei Krimskrams. Hinzu kam weiterer Stauraum, da das Innenfutter an einer Seite eingerissen war. Dieser Drecksack sollte mir eine Lektion erteilen.

An dem Abend, an dem ich mit Leo zum Tanzen in eine Discothek fuhr (Eintrag für den 04.10. in LEO – Erotisches Tagebuch), war die Tasche mein Begleiter. Sie beherbergte außer dem Üblichen noch meine Tanzschuhe, ein luftiges Röckchen und ein Top, die ich erst kurz vor Betreten des Lokals anziehen wollte. Es war nämlich schon relativ kühl, und ich trug an dem Abend Jeans und Pullover. Warum ich ausgerechnet zu dem Anlass zwei Fünfzig Euro-Scheine mitführen musste, weiß ich nicht mehr. Jedenfalls glaubte ich, sie in die kleine Seitentasche meines Drecksacks gesteckt zu haben.

In Leos Auto zog ich mir die dickeren Sachen aus und die Tanzkleidung an. Leo nutzte die Gelegenheit, um mir an die Brüste und zwischen die Schenkel zu fassen. Am liebsten hätte ich mich weiter von ihm befummeln lassen, doch der Tanzschuppen wartete. Durch die Umzieh-Aktion hatte ich mehrfach in meiner Tasche gewühlt. Als ich das Geld aus dem Seiten-Täschchen nehmen wollte, war dieses nicht mehr vor Ort. Alles Suchen, Abtasten, sogar komplettes Ausleeren der Tasche half nichts. Die beiden Geldscheine blieben verschwunden. Ich merkte, wie Leo bereits etwas ungeduldig wurde, ich hingegen leicht panisch. Schließlich kam mir die rettende Idee: Ich tastete das Futter des Seitentäschchens ab und entdeckte dort tatsächlich einen weiteren Riss. Nach einmaligem kräftigem Zerren konnte ich meine Hand durch die Öffnung einführen und fand zu meiner Erleichterung schließlich die beiden Geldscheine, die sich im Schutze des Futters ganz bis auf den Boden der Tasche verkrümelt hatten.

Noch auf der Rückfahrt entsorgte ich den geleerten Drecksack in einem Abfallbehälter am Straßenrand.

Mir kam diese Episode dieser Tage wieder in den Sinn, als ich mit der landläufigen Bedeutung des Wortes „Drecksack“ konfrontiert wurde. Leo berichtete mir am Telefon von einer Geburtstagsfeier, zu der er eingeladen war. Von der Schwester der Gastgeberin wurde er zu seinem Erstaunen mit den Worten begrüßt: „Du bist also der Drecksack!“ Ich kann mir vorstellen, was sie damit gemeint hatte.

Übrigens: Mein ganz persönlicher Taschen-Drecksack hat in der Zwischenzeit einige würdige Nachfolger gefunden.

Advertisements

Ein Kommentar zu „Der Drecksack

    Regine sagte:
    5. Dezember 2013 um 8:06 am

    Was für eine passende „Doppelbedeutung“ 😉 Vielen Dank für diese nette Geschichte!

Sei mutig - schreib was du denkst!

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s