„How deep is your love“ oder wie ich meine Liebe zu den Bee Gees wiederentdeckte

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Disco

1967 traten die Bee Gees in mein Leben. Ich war 14 Jahre alt und sehr an Pop Musik interessiert, damals sagte man Beatmusik, meine Großmutter sprach von Negermusik. Es gab noch keine MP3-Player, keine CDs, keine iTunes. Alles, was ich besaß, war ein schneeweißes Radio und ein Tonbandgerät mit unhandlichen Spulen, das mein Onkel ausrangiert und mir überlassen hatte. Sonntags hing ich vor dem Radio und versuchte, mittels eines Hand-Mikrophons die Hitparade aufzunehmen. Wenn im entscheidenden Moment meine Mutter ins Zimmer kam oder draußen ein Krankenwagen mit Sirenengeheul vorbeifuhr, war die Aufnahme verdorben. Zu Weihnachten wünschte ich mir einen Plattenspieler und bekam tatsächlich einen der Marke Dual mit Zehnplattenwechsler.

Ab jetzt gab ich mein bescheidenes Taschengeld für Vinyl-Singles aus. Stundenlang saß ich mit meiner Freundin in meinem Zimmer, wo wir unsere bescheidene Plattensammlung rauf und runter dudelten. Dabei träumten wir von den Popgrößen, die als Bravo-Poster an den Wänden verewigt waren. Seit einiger Zeit machten drei Brüder namens Robin, Maurice und Barry Gibb, die in jungen Jahren aus England nach Australien ausgewandert waren, von sich reden. Sie nannten sich die Bee Gees und hatten in Deutschland – soweit ich mich erinnere – erstmals 1967 einen Hit mit New York Mining Disaster 1941. Es folgten To Love Somebody und Massachusetts. Ich glaube, den Text kann ich heute noch auswendig. Die Stimmen der Bee Gees klangen zwar ein wenig wie die einer meckernden Ziege, fanden wir, aber das machte nichts. Auf Feten, die damals hauptsächlich im Partykeller von jemandes Eltern stattfanden, wurden die Songs der Bee Gees gerne gespielt, vermutlich weil sie erste Knutschversuche beim Klammer-Blues ermöglichten. Ich habe den Verdacht, dass die Jungs ihre Musik einzig deshalb tolerierten.

Irgendwann waren die Bee Gees aus der Mode gekommen, erlebten aber 1977 ein sensationelles Comeback. Der unverwechselbare dreistimmige Falsett-Gesang der Brüder Gibb wurde zum Markenzeichen der Disco-Ära. Das Saturday Night Fever der Bee Gees brachte die Discotheken zum Kochen und John Travolta im gleichnamigen Film zur tänzerischen Höchstleistung. Die Bee Gees trugen nun bis zum Bauchnabel geschlitzte Glitzerkostüme, aus denen gekräuseltes Brusthaar hervorschaute, und sangen Stayin Alive und das wunderbar schnulzige How deep is your love.

Anfang der 1980er verschwanden die Bee Gees von der musikalischen Bildfläche und waren seitdem allenfalls noch bei Live-Auftritten präsent. Auch ich hatte die Bee Gees lange vergessen – bis ich vor einigen Jahren wieder zu tanzen anfing und mein Herz für den Discofox entdeckte. An den Bee Gees kam ich dabei nicht vorbei. Als ich sie How deep is your love singen hörte, war schlagartig alles wieder präsent: Es schien, als ob meine ganze Jugend im Zeitraffer an mir vorüberzog.
War es wirklich ein Zufall, dass ich Leo zur Musik von More Than a Woman kennenlernte? Mit ihm sollte ich mein ganz persönliches Night Fever erleben …

Siehe Eintrag vom 25.02 im Buch: LEO (+LOU) – Erotisches Tagebuch

Mittlerweile sind Maurice und Robin bereits verstorben, aber ihre Songs leben weiter, auch in meinem Herzen.

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