Lese-Lust, Schreib-Stil und Kopf-Kino

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Erotische Geschichten, ein ganz besonderes erotisches Tagebuch, Worte und Bilder voller Lust und Leidenschaft – ohne die üblichen Klischees

Doppelherz
Fantasie oder reale Erlebnisse? Meine Figuren sind aus dem Leben gegriffen, haben Ecken und Kanten, aber sie wissen genau, was sie wollen und tun. Schließlich schreibe ich aus der Sicht einer erfahrenen Frau jenseits der 50.

Ich lege großen Wert auf gute Sprache, was nicht heißen soll, dass nicht auch einmal das eine oder andere derbe Wort in meinen Geschichten vorkommt. Eine direkte Sprache und niveauvolle Erotik müssen kein Widerspruch sein. Hauptsache, alle Sinne werden angesprochen und es entstehen lustvolle Bilder im Kopf des Lesers.

Und manchmal kann ich es nicht lassen: Ich kommentiere gerne auch Alltägliches aus der Sicht einer reifen Frau mit Anspruch und verfolge das Geschehen rund um das Thema „Schreiben und Veröffentlichen“ mit kritischem Blick.

In meinen Büchern finden Sie prickelnde Erotik für Leserinnen und Leser mit einem gewissen Anspruch. Mein Erstling Leo – Erotisches Tagebuch beweist, dass auch Frauen jenseits der 50 ein aufregendes Sexualleben haben können.

Als Kindle-Edition bei Amazon
oder als Taschenbuch bei Amazon zu kaufen.

Mehr auf diesem Blog unter „Leo“ und „Leseproben“

Mein neuestes Buch Treppen der Lust vereint vier außergewöhnliche Kurzgeschichten, die so kurz gar nicht sind. Hier treffen wir übrigens auch Leo wieder.

Hier geht’s zur Kindle-Edition bei Amazon

Meine Bücher sind natürlich auch beim Verlag bestellbar:

https://cupido-books.com/

 

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Leserunde bei lovelybooks

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Erotische Lektüre in der Leserunde

Vox Sammelband_Cover_U1

Cupido Books verlost 6 Exemplare meines Taschenbuchs „Erotische Geschichten“ für eine Leserunde bei lovelybooks.

Der Sammelband vereint die Geschichten aus „Treppen der Lust“ und „Ausgesprochen erotisch“, die bisher als ebook erschienen sind.

Achtung: Die Autorin nennt die Dinge beim Namen. Sie schreibt sehr direkt, manchmal schamlos, aber immer mit stilistischem Anspruch.
Wer einmal Akteure jenseits aller heute gängigen „erotischen Klischees“ erleben möchte und darüber hinaus trotz eindeutiger Sprache einen niveauvollen Stil schätzt, ist hier genau richtig und sollte sich unbedingt bewerben…

… bis zum 15.11.2017 Viel Glück und Spaß beim Lesen!

https://www.lovelybooks.de/autor/Greta-L.-Vox/Erotische-Geschichten-1495525270-w/leserunde/1502220942/

Aus-gesucht erotisch

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Mein am 15. September 2017 erschienenes neues Buch

Ausgesprochen-erotisch-web

ist jetzt auch bei suchbuch.de zu finden:

http://www.suchbuch.de/leseproben/erotik/ausgeprochen_erotisch/5652

 

Das Repertoire erotischer Klischees

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Ob wir jemals genug davon bekommen?

Seit einigen Jahren findet man in der Erotikliteratur in leicht abgewandelter Form das folgende Szenario:

Ein Mann, mit Mitte 20 bereits Milliardär, aber mit SM-Neigungen trifft auf unbedarftes Mädchen. Die beiden verlieben sich und die Geschichte nimmt ihren vorhersehbaren Lauf.

Es versteht sich von selbst, dass der Milliardär mit perfekten Antlitz und Körper ausgestattet ist. Natürlich fährt er dicke Autos, fliegt mit seinem Privatjet in der Gegend rum, ist ausgesprochen kultiviert und trotz seiner sadistischen Neigungen im Grunde ein herzensguter Kerl, der großzügig für Arme, Kranke und andere Beladene spendet.

Das Mädchen ist natürlich ebenfalls wunderschön, noch Jungfrau, zumindest unerfahren, erlebt aber mit besagtem Milliardär sofort beim ersten Mal einen wahnsinnigen Orgasmus. Wenn sie nicht gerade von ihrem reichen Liebhaber ausgepeitscht oder sonstwie gequält wird, beißt sie sich dauernd auf die Unterlippe und rollt mit den Augen, was wohl als besonders sexy gelten soll.
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Nach etwa einer Woche sind sich die beiden einig, dass es zwischen ihnen die große Liebe ist, und sie niemals genug von einander bekommen werden, wäre da nicht irgendein verschwurbeltes Hemmnis, z.B. Bindungsängste des Multimillionärs, eine Kuss-Phobie, eine verkorkste Kindheit oder eben – wer hätte es gedacht – seine sexuellen Vorlieben. Das Paar trennt sich, findet wieder zusammen, alles wird noch komplizierter, aber am Schluss gibt es ein Happy End.

Das kommt einem seit „Shades of Grey“ („SOG“), „Crossfire“, „Paper Prince“ & Co. bekannt vor. Der Grund-Plot lässt sich in die verschiedensten Kulissen verpflanzen. Der männliche Part könnte auch der größte Filmstar der Welt sein, der „Sexiest man Alive“, ein russischer Prinz oder ein Ölscheich, Hauptsache schwerreich und Hauptsache BDSM. Eine andere Nachahmer-Schiene surft seltsamerweise auf der Twilight-Welle. Diese Art von erotischer Literatur bevölkern überirdisch schöne Vampire, der Plot ist angereichert mit Fantasy-Elementen. Sogar Einhörner wurden hier schon gesichtet. Die will ich mir lieber nicht beim Sex vorstellen.

Ich möchte hier nicht das fragwürdige Frauenbild diskutieren, das diesen Büchern zugrunde liegt, in denen es meist nicht um die Sexualität der weiblichen Hauptperson geht, sondern nur um das, was ihm gefällt. Der sexistische Grundton an sich ist schon ärgerlich genug. Geradezu abstoßend ist jedoch die Leichtigkeit, mit der sexueller Missbrauch und Vergewaltigung als Kavaliersdelikte abgetan werden.

Die „Mutter“ aller in der letzten Zeit erschienenen BDSM Erotikromane hat durchaus ihre Verdienste. E.L. James hat ihre aus der Fan-Fiction entstandene Trilogie „SOG“ geschickt angelegt und etwas geschaffen, das es zum Zeitpunkt ihrer Veröffentlichung so noch nicht gab. Immerhin weiß nun auch die biederste Hausfrau, was Flogger und Smartballs sind, und dass „SUB“ nicht nur „Stapel ungelesener Bücher“ bedeutet. Sicher wurden durch „SOG“ auch manche Frauen angeregt, etwas über ihre sexuellen Fantasien herauszufinden, von mir aus dürfen gerne auch Unterwerfungsfantasien dabei sein.

Schlimm ist allerdings, was auf dem Buchmarkt daraus geworden ist. Als Fan-Fiction zu „SOG“ können die vielen Verschnitte nicht durchgehen. Dazu sind sie zu bierernst und leider meist auch zu schlecht geschrieben. Das wirft einige Fragen auf:

Ich frage mich, ob es in Erotikromanen heutzutage überhaupt noch ohne BDSM geht.

Ich frage mich, warum Leserinnen – auch reife, durchaus emanzipierte Frauen – anscheinend auf diese krude Mischung aus Softporno, halbgarem Sadomaso-Gedöns, romantischem Firlefanz, Frauen-Verachtung und inhärente Gewaltverherrlichung fliegen.

Ich frage mich, warum sich auch noch der tausendste Abklatsch des immer gleichen Themas verkauft. Aber wie es scheint, ist dieser Markt immer noch nicht gesättigt.

Das alles ist und bleibt mir ein Rätsel. Ich persönlich will auch in Erotikbüchern keine unglaubwürdigen, eindimensionalen Charaktere, keine gelackte Schönlinge oder Fantasiefiguren. Ich wünsche mir welche, die mir auch in der Realität begegnen könnten. Doch ich fürchte, dass es weiterhin genug Leserinnen gibt, die von der immer gleichen Story und den holzschnittartigen Charakteren niemals genug bekommen werden und dabei leider auch durchaus bedenkliche Inhalte billigend in Kauf nehmen.

Schnell- und Vielschreiber

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Die Finger immer auf der Tastatur

Der Nachrichtendienst Twitter ist dafür bekannt, möglichst schnell und aktuell zu sein. Viele Autoren nutzen Twitter. Oft sind sie auch noch bei Facebook und Instagram aktiv (das habe ich mir aus Prinzip verkniffen). Darunter sind auch solche, die für sich beanspruchen, Marketing-Tipps für Autoren und ihre Bücher zu geben.

Ein immer wieder zu findender Ratschlag ist, als Autor möglichst viele Bücher im Rennen zu haben und spätestens alle sechs Monate etwas Neues rauszubringen. Schließlich lechzen die vielen Facebook-Freunde geradezu nach einem neuen Werk, zumindest aber nach einem regelmäßig erscheinenden Newsletter. Für eine Langsam-Schreiberin wie mich, die jedes Wort dreimal umdreht, natürlich keine besonders attraktive Vorstellung. Aber was mich am meisten erstaunt: Manchmal haben gerade diese „Autoren“ selbst – wenigstens erkennbar – noch überhaupt kein Buch herausgebracht, und wenn, dann dümpeln ihre Werke irgendwo im Amazon-Nirwana vor sich hin. Nun muss nicht jeder, der anderen Ratschläge erteilt, diese auch selbst erfolgreich beherzigen. Schließlich braucht ein Arzt ja auch nicht alle Krankheiten, die er behandelt, selbst durchlebt zu haben. Aber nachdenklich macht das Ganze schon.

Autoren sollten in allen verfügbaren sozialen Medien möglichst oft präsent sein, liest man, und immer wieder irgendwie auf ihr Buch aufmerksam machen. Diese Art von Eigenwerbung kann sehr schnell anbiedernd wirken und genau das Gegenteil des erhofften Effekts zur Folge haben. Auch der „Dialog“ mit dem potentiellen Leser, z.B. durch Aufforderungen wie „Welches Cover würdet ihr gerne sehen?“, „Wie soll ich Charakter X anlegen?“, oder „Was haltet ihr davon, wenn ich …?“ ist unter Selfpublishern sehr beliebt. Für mich klingt das sehr nach „Lieber Leser hilf mir. Ich hab keinen Plan.“ Die Pseudo-Einbeziehung des Lesers ist meiner Meinung nach mindestens ebenso nervig wie die permanente Selbstspiegelung und Selbstbeweihräucherung.

Auch das Einsammeln möglichst vieler Follower und Freunde ist oft nur Augenwischerei. Bei mir tauchen regelmäßig urplötzlich Follower aus dem englischsprachigen Ausland auf, die übrigens so ganz nebenbei anbieten, bei der Vermarktung meines (deutschsprachigen!) Buches behilflich zu sein. Gegen eine Gebühr versteht sich. Wehe, du folgst nicht innerhalb eines Tages zurück, dann wirst du ganz schnell mit Entfolgen bestraft. Natürlich suggeriert die Anzahl der Follower so etwas wie Erfolg. Aber bemisst sich die Popularität, vor allem aber die Qualität eines Autors an der Anzahl der Follower?

Spätestens seit Donald Trump in der Weltgeschichte herumgeistert, müsste jeden klar sein, was von manchen Tweets zu halten ist. Ein Blick auf die Timeline einiger Autoren bei Twitter fördert, wenn auch nicht so potentiell Gefährliches wie bei Trump, so doch Erstaunliches zu Tage. Im Sekundentakt werden dort Mitteilungen gepostet wie:

„Ich trink jetzt ‘nen Kaffee“ (natürlich mit dem obligatorischen Foto der Tasse plus Inhalt mit Schaumkrönchen!)
„Heute Mittag beim Pizza Aufwärmen zwei neue Buchideen gehabt.“
„Mein Kind schreit.“
„Was macht ihr gerade?“
„Guten Morgen/Mahlzeit/gute Nacht Twitter-Welt.“
Oder besonders alarmierend: „Bin jetzt zwei Tage offline.“
Da fragt man sich natürlich schon, wann diese Leute überhaupt noch zum Schreiben kommen und vor allem, was aus den ganzen Buchideen geworden ist.

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Neuerdings empfehlen manche deshalb Digital Detox oder Social Media Detox, also eine bewusste Enthaltsamkeit von den sozialen Medien, eine Auszeit von der Informationsflut. Muss ich mich jetzt schon rechtfertigen, wenn ich mal ein paar Tage oder (oh Graus!) ein paar Wochen nichts in den sozialen Medien poste? Wieweit ist es mit uns gekommen?

Fazit

Nicht, dass das hier falsch verstanden wird: Der Nachrichtdienst Twitter ist in vielen Fällen ein Segen, z.B. wenn es um Presse- und Meinungsfreiheit in totalitären Staaten geht. Außerdem lernt man durch die Zeilenbeschränkung, sich auf das Wesentliche zu konzentrieren, was gerade für Autoren eine gute Übung ist.

Und tatsächlich gibt es viele Autoren, die den Spagat zwischen eigenem Schreiben und Beratung anderer tatsächlich hinkriegen. Stellvertretend möchte ich hier nennen: @AnnikaBuhnemann @kari_lessir @Marcus Johanus @PHakenjos @Schreibmeer. Diese Autoren setzen sich sehr kompetent mit den Themen Schreiben, Veröffentlichen und Vermarkten auseinander. Ihnen gilt meine ernstgemeinte Bewunderung.

Auch steht es außer Frage, dass viele Twitterer sehr originelle und witzige Tweets produzieren – und das ganz ohne angestrengte Coolness. Respekt! Ich könnte das nicht.

Nach vier Jahren Erfahrung als Selfpublisherin und Verlags-Autorin im Bereich „Erotik“ kann ich insgesamt nur eine nüchterne Bilanz ziehen. Abgesehen davon, dass ich keine Lust habe, Herrn Zuckerbergs Ausspähmöglichkeiten ohne Not zu mehren, halte ich den Stellenwert der viel gepriesenen Verkaufsförderung durch die sozialen Medien für überschätzt. Ein erheblicher Zeitfresser sind sie allemal, und „sozial“ finde ich sie schon gar nicht. Reale Freunde, mit denen ich mich von Angesicht zu Angesicht austauschen kann, sind in jedem Fall wertvoller als Tausende Follower oder virtuelle Freunde. Ich plädiere deshalb für mehr Gelassenheit. Wir sollten uns kein schlechtes Gewissen machen lassen, wenn wir uns mal eine Zeit lang in medialer Enthaltsamkeit üben.

Dazu fällt mir eine Aussage von Dieter Nuhr ein, die sinngemäß lautet: „Es ist nicht mehr entscheidend, was Wahrheit ist, sondern wie viele Follower der Irrsinn hat.“

Erotische Szenen schreiben

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Über Twitter stieß ich auf einen Beitrag von Vanja Bajohr (alias Tristan), der sich mit dem Schreiben erotischer Szenen befasst. Der Text ist zwar sehr lang, aber jede Zeile wert. Selten habe ich einen so gut strukturierten und klugen Beitrag zu dem Thema gelesen – und dazu auch noch in fehlerfreiem Deutsch, was bei vielen Bloggern ja leider nicht immer selbstverständlich ist. Die weiter führenden Links am Ende des Artikels sind übrigens auch lesenswert.
Mit Zustimmung des Autors hier der Weg zum Beitrag:

http://tristanscreams.fervorcraft.de/erotik-schreiben-ein-kleiner-guide/

Der Autor steckt auch hinter dem wirklich amüsanten Twitter-Account Desasterotik@germanerotica, wo u.a. abschreckende Beispiele aus der Erotik „Literatur“ geboten werden. Manchmal zum Schreien komisch!

Ein Klassiker der erotischen Literatur – wiederentdeckt

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John Cleland, Fanny Hill

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Neulich stieß ich beim Aufräumen meines Bücherregals auf eine ziemlich angestaubte Ausgabe von „Fanny Hill“ in englischer Sprache. Das Paperback war schon leicht zerfledert, enthielt aber Reproduktionen von William Hogarths Kupferstichen, die Fannys Werdegang bildlich dokumentieren. Direkt daneben stand ein etwas weniger altes deutsches Exemplar, leider ohne Illustrationen. Dieses habe ich noch einmal „kritisch“ gelesen.

„Fanny Hill“ von John Cleland erschien im Jahr 1749. Wegen des obszönen Inhalts waren das Buch und seine Übersetzungen in verschiedenen Ländern lange verboten. In Deutschland darf es unzensiert erst seit 1969 (!) frei verkauft werden.
Formal ist das Buch dem damals populären Briefroman zuzuordnen. In zwei langen fiktiven Briefen schildert Fanny Hill ihre Erlebnisse im Alter von 15-19 Jahren. Adressat ist eine gewisse „Madame“, die aber so sehr im Vagen bleibt, dass man sie als Leser schnell vergisst und den Eindruck hat, eine ganz normale Ich-Erzählung vor sich zu haben, die sich zu einer Romanhandlung entwickelt.

Nach dem Tod ihrer Eltern verlässt Fanny das heimische Liverpool, um in London ihr Glück zu suchen. Dort gerät sie unter die Fittiche einer Kupplerin, die sie in ihrem Freudenhaus an Männer vermittelt. Es folgen Anstellungen in verschiedenen Häusern und Beziehungen zu wohlsituierten Männern. Fanny verliebt sich in einen ihrer Kunden, Karl/Charles, mit dem es schließlich auch ein Happy End gibt.

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Genau genommen handelt es sich bei „Fanny Hill“ um einen monoperspektivischen Briefroman, da kein Briefaustausch stattfindet, sondern uns nur die Aufzeichnungen einer Person vorliegen. Diese Perspektive lässt den Leser unmittelbar an der Gefühls- und Gedankenwelt der Verfasserin Fanny teilhaben.
Wir werden Zeuge, wie Fanny von ihrer Zimmergenossin in die Freuden der Lust eingeführt wird, wie sie durch heimliche Beobachtung lernt und ihre eigenen Erfahrungen macht. Sie findet zunehmend Gefallen an der Sexualität, sogar an ihrer Arbeit. Die Entwicklung vom naiven, unerfahrenen Mädchen zur sinnesfrohen, selbstbewussten jungen Frau, die aus ihren körperlichen Reizen und einer sinnlichen Veranlagung Kapital zuschlagen weiß, ist durchaus differenziert dargestellt. Besonders ihre Empfindungen während des Sexualakts sind subtil beschrieben.
Die männlichen Protagonisten hingegen bleiben insgesamt eher blass. Abgesehen von einer Beschreibung ihrer äußeren Merkmale sind sie meist reduziert auf ihre sexuelle Potenz; selbstverständlich sind sie alle gut bestückt und ausnahmslos bereit und auch in der Lage, ihre Partnerinnen zu befriedigen.
Obwohl das Buch mit einem moralisierenden Ende aufwartet, das die Bedeutung der geistigen Liebe als Grundlage für echte Erotik betont, ist der Inhalt insgesamt sehr frivol und ohne gesellschaftskritischen Anspruch. Eine Sex-Szene folgt auf die andere, mit Sex in allen möglichen Spielarten. Die Lustbefriedigung steht immer im Vordergrund. Gibt es einmal Probleme, ist der (vorgetäuschte) Ohnmachtsanfall ein probates Mittel zur Konfliktlösung.
Die Prostitution wird nicht hinterfragt, vielmehr als erstrebenswertes Gewerbe gepriesen, das neben einer guten Einnahmequelle den Frauen anscheinend ausnahmslos höchstes sexuelles Vergnügen beschert. Mögliche Geschlechtskrankheiten – zur damaligen Zeit sicher ein großes Problem – werden ebenso wenig thematisiert wie ungewollte Schwangerschaften und Verhütung. Fanny erwähnt denn auch eher beiläufig: „Ich war drei Monate schwanger von ihm [Karl] gewesen.“ Mehr erfährt man nicht und kann nur vermuten, dass die Schwangerschaft abgebrochen wurde. Solche Aussparungen mindern die Glaubwürdigkeit von Fannys Bericht.
Clelands Sprache ist ein Spiegel ihrer Zeit und für den modernen Leser etwas gewöhnungsbedürftig. Abgesehen von antiquierten Wörtern wie „Muhme“, „Beinkleider“, „Mannheit“ oder „Gevatterin“ ist es vor allem der verschachtelte, leicht gestelzte Satzbau, der die Lektüre erschwert. Manchmal muss man einen Satz zweimal lesen.
Das Buch ist auch nicht frei von sprachlichen Wiederholungen, besonders bei der Beschreibung des männlichen Geschlechtsteils als „Maschine“, „Instrument“ oder „Speer“. Dabei wirken Formulierungen wie „seine schreckliche Bohrmaschine“, „der aufrührerische Schelm“ oder „sein rotköpfiger Champion“ aus heutiger Sicht oft unfreiwillig komisch. Insgesamt jedoch ist Clelands Stil geprägt von einer ausdrucksstarken Bildsprache mit schönen Metaphern und ungewöhnlichen Vergleichen.
Die erotischen Szenen sind nach heutigen Maßstäben nicht sehr direkt ausgeführt, doch ist es gerade das nur Angedeutete, das die Vorstellungskraft des Lesers anregt.
Vorausgesetzt, man lässt sich auf die etwas sperrige Ausdrucksweise des 18. Jahrhunderts ein und ist bereit, Abstriche bei der psychologischen Glaubhaftigkeit von Handlung und Charakterzeichnung zu machen, wird man diesen frühen Klassiker der erotischen Literatur mit Genuss lesen können.

Es bläst und saugt

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Es bläst und saugt

Der Herbst ist da. Woran merken wir das? Der kalendarische Herbstanfang kann es diesmal nicht gewesen sein, denn der kam als Hochsommertag daher.
Die Stunden mit Tageslicht werden weniger, und bald droht die lästige Umstellung auf die Winterzeit. Meine Autowerkstatt erinnert mich schon mal an die Umrüstung auf Winterreifen. Auch sonst mehren sich die Anzeichen:
In den Marktständen liegen Pilze und die ersten Kürbisse.

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Beim Joggen muss ich aufpassen, dass mir keine blank polierte Kastanie oder Eichel auf den Kopf fällt. Auf dem Weg liegen igelartige Gebilde, die Haselnüsse beherbergen. Am Wegesrand sprießen wunderschöne Fliegenpilze, in den Sträuchern hängen knallrote Beeren.

Das Laub verfärbt sich und fällt ab. Und hier kommt das untrügliche Zeichen für den Herbstbeginn ins Spiel:

Wenn man früh morgens unsanft von einem durchdringenden Geräusch geweckt wird, ist er da, der Herbst, und mit ihm eine Errungenschaft namens Laubbläser. Dieses Gerät ist nicht nur Angestellten des städtischen Reinigungsdienstes vorbehalten, nein, es ist dummerweise auch im Baumarkt von Privatleuten zu erwerben. Das lässt jedes Männerherz höher schlagen. Es scheint, der Laubbläser hat dem Aufsitzrasenmäher oder dem Laubhäcksler als potentielle Ruhestörungsquelle längst den Rang abgelaufen. Denn mit ihm kann auch der Hobbygärtner richtig Krach machen. Berichten zufolge erreicht ein Laubbläser ähnlich hohe Dezibelwerte wie eine Kreissäge oder ein Presslufthammer.

Sicher ist es einfacher und macht mehr Spaß, das Laub mittels dieses Geräts zusammen zu pusten als wie früher den Besen oder Rechen zu bemühen. Ob es Sinn macht, das Laub zu riesigen Hügeln aufzutürmen, wo ein Windstoß genügt, es wieder aufzuwirbeln, sei dahin gestellt. Auch die Vorstellung, dass durch den Blasvorgang sicher Millionen von Pilzsporen freigesetzt werden oder auch Keime, z.B. durch Hundekot, aufgewirbelt werden, ist nicht gerade schön.
Der gemeine Laubbläser hat leider auch einen ähnlich lauten Bruder – den Laubsauger. Während der Laubbläser das Laub einfach vor sich her treibt, z.B. praktischerweise in Nachbars Garten, saugt der Laubsauger das Laub an und fängt es in einem Sack oder Behälter auf. Also ein multifunktionales Gerät, das mich an einen alten Sketch von Loriot erinnert. Darin versucht ein Staubsaugervertreter, einer Hausfrau ein Modell namens Heinzelmann schmackhaft zu machen, dessen Sauger auch zur Trockenhaube umfunktioniert werden kann. Der Sketch ist verantwortlich für den herrlich zweideutigen Satz „Es bläst und saugt der Heinzelmann, wo Mutti sonst nur saugen kann.“

Der Gedanke an diese Kombination aus Staubsauger und Trockenhaube macht mir die herbstliche Bläserattacke irgendwie erträglicher. Und Laub ist schön!

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